Veränderungen des Schlafverhaltens sind bei Menschen mit Alzheimer-Krankheit oder anderen Demenzerkrankungen häufig anzutreffen. Es wird angenommen, dass die Veränderungen des Schlafes auf eine Fehlsteuerung des Schlaf-Wach-Zyklus zurückzuführen sind, die durch pathophysiologische Prozesse der Erkrankung verursacht werden. Neben der Betrachtung der Schlafstörungen bei Erkrankten wächst aber auch zunehmend das Interesse am Zusammenhang zwischen der Schlafdauer und dem späteren Auftreten einer Demenz.

Beobachtungsstudien zeigen, dass sowohl eine kurze als auch eine lange Schlafdauer mit einem erhöhten Risiko für einen kognitiven Verfall und dem Auftreten einer Demenz verbunden ist. Einige Studien berichten zudem, dass Veränderungen der Schlafdauer bei älteren Erwachsenen mit dem Risiko, an Demenz zu erkranken, in Verbindung stehen. Ein Großteil dieser Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Demenz stammt aus Studien mit einer Nachbeobachtungszeit von weniger als 10 Jahren. Da die meisten Demenzerkrankungen durch pathophysiologische Veränderungen über einen Zeitraum von 20 Jahren oder mehr gekennzeichnet sind, sind Studien mit einer langen Nachbeobachtungszeit erforderlich, um einen Einblick in den Zusammenhang zwischen Schlafdauer und dem späteren Auftreten einer Demenz zu erhalten. Von den existierenden Studien mit einer Nachbeobachtungszeit von 10 Jahren oder länger, basieren viele auf Teilnehmer*innen, die bei Studienbeginn bereits 65 Jahre und älter waren, was eine Untersuchung der Bedeutung von Schlafmerkmalen zu einem früheren Zeitpunkt im Lebensverlauf nicht zulässt.

Zu wenig Schlaf im mittleren Lebensalter kann Demenzrisiko erhöhen

Deswegen hat ein internationales Forschungsteam anhand der Daten von 7959 Teilnehmer*innen der Whitehall-II-Studie den Zusammenhang zwischen der Schlafdauer und der Häufigkeit des Auftretens einer Demenz (Inzidenz) in einem 25-jährigen Nachbeobachtungszeitraum (Follow-up) untersucht.

Im Rahmen ihrer Untersuchung kamen die Forscher*innen zu dem Ergebnis, dass bei einer Schlafdauer von sechs Stunden oder weniger im Alter von 50 und 60 Jahren im Vergleich zu einer normalen Schlafdauer (7 Stunden) ein höheres Risiko vorliegt, an einer Demenz zu erkranken. Eine anhaltend kurze Schlafdauer im Alter von 50, 60 und 70 Jahren war im Vergleich zu einer anhaltend normalen Schlafdauer mit einem um 30% erhöhten Demenzrisiko verbunden – und zwar unabhängig von soziodemografischen, verhaltensbezogenen, kardiometabolischen und psychischen Faktoren. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine kurze Schlafdauer in der Lebensmitte mit einem erhöhten Risiko für eine später auftretende Demenz verbunden ist.

Hier finden Sie die Studie:
Association of sleep duration in middle and old age with incidence of dementia (2021)

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