Bei Voranschreiten der demenziellen Erkrankung treten oftmals Schlafstörungen auf, welche nicht nur Einfluss auf den Menschen mit Demenz, sondern auch auf deren Angehörige oder deren Pflegefachkraft haben können. So kann ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus zu einem schnelleren geistigen Abbau führen, neuropsychiatrische Symptome verstärken und funktionelle Einbußen sowie eine verminderte Lebensqualität hervorrufen. Darüber hinaus werden Schlafstörungen bei Menschen mit Demenz mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität assoziiert. Doch gibt es Möglichkeiten, die Schlafqualität von Menschen mit Demenz zu verbessern?

Ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus kann sich in folgenden Merkmalen widerspiegeln:

  • Schwierigkeiten beim Einschlafen
  • Unterbrechungen des nächtlichen Schlafs
  • Frühes Aufstehen
  • Müdigkeit tagsüber

Da Medikamente oftmals Nebenwirkungen wie Verwirrung hervorrufen, gewinnen nicht-medikamentöse Verfahren, wie die Aktivierung der Sinne zur Stärkung des Tag-Nacht-Rhythmus, immer mehr an Bedeutung. Diesem Ansatz liegt die Annahme zugrunde, dass Sinneswahrnehmungen wie sehen, hören, schmecken, fühlen und riechen nicht durch eine dementielle Erkrankung beeinflusst werden. Durch die sogenannte „sensorische Stimulation“ tagsüber, so vermutet ein niederländisches Forschungsteam um Angela J. Prins, könnte der circadiane Rhythmus (biologischer Rhythmus mit der Dauer von 24h) gestärkt und somit Schlafstörungen von Menschen mit unterschiedlichen Demenzformen reguliert werden.

Sensorische Stimulation kann Schlafqualität verbessern

In der Analyse konnten die Wissenschaftler*innen leichte bis moderate positive Einflüsse feststellen. So beobachtete das Pflegepersonal weniger nächtliche Unruhe, wenn Menschen mit Demenz tagsüber visuell oder taktil aktiviert wurden. Diese Wahrnehmung konnte auch durch die mittels Aktigraphie gemessene Schlafdauer bestätigt werden. So scheinen unter anderem Lichttherapie-, Massage-, oder tiergestützte Therapien und Akupunktur zu einer verbesserten Schlafqualität beizutragen. Diese wird vor allem durch eine Reduktion der Zeit bis zum Einschlafen, die verkürzte Dauer des nächtlichen Erwachens, sowie die Zunahme der absoluten Schlafzeit, beziehungsweise der -effizienz beeinflusst.

Demnach können bereits 30 Minuten Lichttherapie täglich dazu beitragen, nächtliches Erwachen sowie die Zeit bis zum Einschlafen zu verringern und somit die Schlafdauer und –qualität bei Menschen mit moderater bis schwerer Demenz zu erhöhen.

In der Übersichtsarbeit scheinen die Effekte sogar unabhängig von Geschlecht, Schwere der Demenz sowie dem Demenztyp aufzutreten. Sollten sich diese Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen, würden sich neue Möglichkeiten für Maßnahmen zur Verbesserung von Schlafstörungen bei Menschen mit Demenz eröffnen.

Hier finden Sie die Studie:
Sensory Stimulation for Nursing-Home Residents: Systematic Review and Meta-Analysis of Its Effects on Sleep Quality and Rest-Activity Rhythm in Dementia (2020)

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