Weltweit leben etwa 84% der Menschen mit Demenz in ihrer häuslichen Umgebung und werden von Angehörigen betreut. Angehörige empfinden dabei teilweise Schuld oder Einsamkeit, wenn sie nicht mit dem Menschen mit Demenz im selben Haushalt wohnen. Doch wie wirkt sich das Zusammenleben und der damit einhergehende „rund-um-die-Uhr-Kontakt“ auf die Schlafqualität der pflegenden Angehörigen aus?

Dieser Frage ist eine Forschungsgruppe des Yonsei University College of Medicine und der Yonsei University in Seoul, Südkorea nachgegangen. Dabei werteten die Forscher*innen Daten von 190.365 Personen aus dem Korea Community Health Survey (KCHS) aus. Die Ergebnisse ihrer Forschung hat die Gruppe um Seung Hoon Kim in der Zeitschrift Journal of Preventive Medicine & Public Health veröffentlicht.

Hintergrund der Untersuchung ist die Feststellung, dass etwa zwei Drittel der pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz unter Schlafstörungen leiden. Laut den Autor*innen konzentrieren sich Studien bei der Untersuchung von Schlafstörungen jedoch meist ausschließlich auf Angehörige, die mit den Menschen mit Demenz zusammenleben. Das Zusammenleben als ein Faktor der Schlafstörungen wird dabei nicht berücksichtigt.

Drei Erkenntnisse zum Thema „Schlaf und Zusammenwohnen“

Bei der Untersuchung kamen die Wissenschaftler*innen zu drei Erkenntnissen: Familienmitglieder von Menschen mit Demenz haben je nach Geschlecht eine 28-40% höhere Wahrscheinlichkeit unter Schlafstörungen zu leiden als Familienmitglieder, die keinen Menschen mit Demenz in ihrem familiären Umfeld haben.

Zudem hatten Angehörige, die mit dem Menschen mit Demenz zusammenleben eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine schlechte (subjektive) Schlafqualität sowie die Verwendung von Schlafmitteln als Angehörige, die nicht mit dem Menschen mit Demenz zusammenleben. Verstärkende Faktoren für eine schlechte Schlafqualität waren zudem depressive Symptome, ein niedriges Einkommen und eine niedrige Bildung.

Betrachtet man nur diejenige Gruppe an Angehörigen, die nicht mit dem Menschen mit Demenz zusammenleben, konnte festgestellt werden, dass die Schlafqualität für die Angehörigen dann am schlechtesten war, wenn der Mensch mit Demenz gänzlich allein wohnte. Männliche Angehörige hatten in diesem Fall eine 48% höhere Wahrscheinlichkeit, weibliche Angehörige gar eine 58% höhere Wahrscheinlichkeit für einen schlechteren Schlaf. Auch in diesen Fall konnten depressive Symptome, ein niedriges Einkommen und eine niedrige Bildung die Schlafqualität noch verschlimmern. Eine niedrige Bildung spielte allerdings nur für dem Schlaf von männlichen Angehörigen eine Rolle.

Bildung, Einkommen und Schuldgefühle

Warum spielen diese Faktoren nun eine Rolle für die Schlafqualität? Hierfür hatten die Autor*innen verschiedene Erklärungsansätze. Laut den Wissenschaftler*innen könnte eine niedrige Bildung dazu führen, dass man schlechter auf unvorhersehbaren Situationen in der Pflege reagieren kann. Zur Unterstützung empfehlen sie den Einsatz von Angehörigenschulungen. Zudem hingen ein niedriges Bildungsniveau und ein niedriges Einkommen eng zusammen. Dass dies insbesondere männliche Angehörige stärker zu belasten scheint, erklären die Autor*innen damit, dass Männer entsprechend eines traditionellen koreanischen Geschlechterverständnisses noch immer in der Rolle als finanzieller Versorger gesehen werden. Dementsprechend tragen sie die Verantwortung für die familiäre Finanzsituation. Die schlechte Schlafqualität, die Angehörige empfinden, wenn der Mensch mit Demenz allein lebt, erklären die Wissenschaftler*innen mit einem Schuld- und Angstgefühl, wenn sie die Pflegesituation durch die räumliche Trennung nicht kontrollieren können.

Hier finden Sie die Studie:
Association Between Cohabitation Status and Sleep Quality in Families of Persons With Dementia in Korea: A Cross-sectional Study (2021)

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