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Die Ursachen einer Demenzerkrankung sind vielseitig. Das Risiko, an Demenz zu erkranken, hängt dabei unter anderen von sozioökonomischen Umständen wie Bildung und Wohlstand ab, wie eine britische Forschungsgruppe erklärt. In ihrem Artikel befasst sie sich mit der Frage, wie sich erbliche Veranlagungen im Zusammenspiel mit sozioökonomischen Faktoren auf die Zeit bis zur Demenzdiagnose auswirkt.

Aufgeschlagenes Buch, darauf eine Brille und daneben ein Smartphone.

Dazu untersuchten die Forscher*innen um Olesya Ajnakina 7093 Menschen ab einem Alter von 50 Jahren über einen Zeitraum von 10 Jahren. Die Daten stammen aus der English Longitudinal Study of Aging (ELSA), einer repräsentativen britischen Langzeitstudie. Zu Beginn der Studie war keiner der Teilnehmenden an Demenz erkrankt, bei 320 (4,6 Prozent) wurde in dem 10-Jahres-Zeitraum eine Demenz diagnostiziert. Um die erbliche Veranlagung für Demenz zu bewerten, wurde ein spezieller Punktwert errechnet. Dieser beinhaltet verschiedene genetische Ausprägungen, die eine Alzheimer-Erkrankung begünstigen sollen – insbesondere den Risikofaktor APOE-e4.

Die Analysen zeigte, dass bereits die erbliche Veranlagung einen deutlichen Einfluss auf den Zeitpunkt der Demenzdiagnose hatte: So erkrankten Menschen mit einem höheren Punktwert für eine erbliche Demenz-Veranlagung etwa 4,8 Monate früher an Demenz und 5,8 Monate früher an Alzheimer, jedoch war letzteres Ergebnis nicht signifikant. Menschen, die das Risikogen APOE-e4 aufwiesen, erkrankten etwa 24,9 Monate früher an Demenz und 33,9 Monate früher an Alzheimer.

Frühere Demenzdiagnose bei niedrigem Wohlstandsniveau

Als sozioökonomische Faktoren bezogen die Forscher*innen das Bildungs- sowie das Wohlstandsniveau in ihre Untersuchung ein. Auch diese wirkten sich auf den Zeitpunkt der Diagnose aus: Bei Menschen mit einem mittleren bzw. niedrigen Wohlstandsniveau wurde die Demenzdiagnose ein Jahr bzw. gut anderthalb Jahre früher gestellt als bei Menschen mit einem hohen Wohlstandsniveau. Kriterien für ein niedriges Niveau waren z.B. geringere finanzielle Mittel, eine niedrigere digitale Bildung, ein begrenzter Zugang zu kulturellen Aktivitäten und kleinere soziale Netzwerke.

Menschen mit einem höheren Bildungsniveau erkrankten pro zusätzlichem Bildungsjahr erst 3 Monate später an Alzheimer als Menschen mit einem niedrigen Bildungsniveau.

 Bildung und Wohlstand als schützende Faktoren

Schließlich verbanden die Forscher*innen diese sozioökonomischen Faktoren mit der erblichen Veranlagung für Demenz. Bei einem Zusammenspiel von einem höherem genetischen Risiko und einem niedrigen bzw. mittleren Wohlstandsniveau brach die Alzheimer-Erkrankung 21,2 bzw. 24,1 Monate früher aus. Hingegen wurden Menschen mit einem höheren genetischen Risiko und einem höheren Bildungsniveau erst 3 Monate später diagnostiziert.

Das Fazit der Autor*innen lautet: Wie lange es dauert, bis eine Demenzdiagnose gestellt wird, hängt auch von der Bildung und vom Wohlstand der Betroffenen ab. Das gilt insbesondere bei Menschen mit einem größeren erblichen Demenzrisiko. Eine höhere Bildung und ein höheres Wohlstandsniveau können dabei schützende Faktoren für den Ausbruch einer Demenzerkrankung (insbesondere für Alzheimer) sein.

Die vollständige Studie finden Sie hier:
Interplay between Socioeconomic Markers and Polygenic Predisposition on Timing of Dementia Diagnosis

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