Wer einen Menschen mit Demenz zu Hause begleitet, trägt eine enorme Last. Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus China hat 16 weltweit durchgeführte Studien mit insgesamt 750 pflegenden An- und Zugehörigen ausgewertet und untersucht, ob digitale psychologische Angebote diese Belastung spürbar verringern können.
Unter digitalen psychologischen Angeboten verstehen die Forschenden Programme, die über Websites, Apps oder Roboter psychologische Unterstützung vermitteln, etwa durch kognitive Verhaltenstherapie, Problemlösetraining oder Entspannungsübungen. Diese Angebote können zeitlich und örtlich flexibel genutzt werden und sind damit besonders für Menschen interessant, für die persönliche Beratungstermine schwer zugänglich sind.
Belastung sinkt, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Lebensqualität steigen
Die Auswertung zeigte, dass digitale psychologische Angebote die Belastung pflegender An- und Zugehöriger messbar reduzieren konnten. Auch das Gefühl, den Pflegealltag selbst meistern zu können, verbesserte sich deutlich. Ebenso stieg die Lebensqualität der Pflegenden. Bei depressiven Symptomen fiel das Ergebnis weniger eindeutig aus: Hier konnte kein eindeutig positiver Effekt nachgewiesen werden.
Kurze Angebote wirken besser als lange
Angebote mit einer Dauer von bis zu zwei Monaten zeigten eine deutlich stärkere Wirkung auf die Pflegebelastung als längere Programme. Die Forschenden vermuten, dass bei länger laufenden Programmen eine gewisse Erschöpfung eintreten kann, die die Wirksamkeit abschwächt. Ob die Teilnehmenden einzeln oder in einer Gruppe begleitet wurden, machte dabei kaum einen Unterschied: Beide Ansätze erzielten vergleichbar gute Ergebnisse.
„Digitale Angebote können nicht nur im Rahmen der Behandlung und Pflege für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen hilfreich sein. Gerade auch die pflegenden An- und Zugehörigen können hier profitieren.“
Lea Dütsch, digiDEM Bayern-Wissenschaftlerin
Website und App wirken, Roboter noch nicht
Bei den genutzten Technologien zeigten sowohl webbasierte Angebote als auch Apps eine signifikante Entlastung für die Teilnehmenden. Für Roboter-gestützte Maßnahmen ließ sich hingegen kein gesicherter Effekt nachweisen, was die Forschenden unter anderem auf die noch begrenzte Zahl an Studien und die technische Unreife dieser Ansätze zurückführen.
Grenzen der Studie
Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass die Gesamtzahl der einbezogenen Studienteilnehmenden mit insgesamt 750 Personen vergleichsweise klein ist. Zudem wurden nur Studien eingeschlossen, die in englischer Sprache veröffentlicht wurden. Das kann dazu führen, das potentiell relevante Veröffentlichungen in anderer Sprache nicht berücksichtigt wurden. Die Autorengruppe kommt also zu dem Schluss, das weitere, methodisch hochwertigere Studien notwendig sind, um die positiven Effekte digitaler psychologischer Unterstützungsangeboten final bewerten zu können
Tipp für die Praxis: Wer als pflegender An- oder Zugehöriger digitale Unterstützung sucht, findet bei digiDEM Bayern mit dem digitalen Angebot Angehörigenampel® einen einfachen Selbsttest zur Einschätzung der eigenen Belastungssituation sowie passende Hinweise auf weiterführende Angebote.
Hier gelangen Sie zur Zusammenfassung der Studie:
Effects of digital psychological interventions for family caregivers of people with dementia: a systematic review and meta-analysis
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digiDEM Bayern entwickelt digitale Angebote für Menschen mit kognitiven Einschränkungen und Demenz sowie für pflegende An- und Zugehörige und ehrenamtliche Helfende und stellt die Angebote auf digiDEM-Bayern.de zur Verfügung.
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