Wie verhalten sich ältere Fahrer*innen mit leichten kognitiven Einschränkungen (mild cognitive impairments, MCI) im Straßenverkehr? Machen sie beim Autofahren mehr oder andere Fehler als kognitiv normale ältere Fahrer*innen? Dies hat ein australisches Forscherteam untersucht.

Die Wissenschaftler*innen haben zuvor die Studienteilnehmer*innen in vier Gruppen eingeteilt: in normale, also kognitiv nicht eingeschränkte Fahrer*innen, die sich beim Fahren sicher bzw. unsicher fühlen, und in Fahrer*innen mit MCI, die ein sicheres bzw. ein unsicheres Fahrverhalten zeigen.

Ähnliches Fehlerprofil bei den „sicheren Fahrern“

Nach Auswertung der Ergebnisse kommen die Forscher*innen zu dem Schluss: Hinsichtlich der Fahrfehler gab es keine Unterschiede zwischen den sicheren Fahrer*innen mit und ohne MCI. Beide Gruppen wiesen ein ähnliches Fehlerprofil auf, schreiben die Autor*innen. Die meisten Fehler wurden gemacht, wenn die Teilnehmenden zum Rückwärtsfahren aufgefordert wurden, Wendemanöver durchführten und den toten Winkel überprüfen mussten.

Dies deutet darauf hin, dass Fahrbeschränkungen, die allein auf dem MCI-Status basieren, nicht gerechtfertigt sind. In solchen Fällen empfehlen die Autor*innen eine formale Fahrbewertung.

Die Studie belegt dabei, dass Fahrer*innen, die in mehreren Bereichen kognitiv beeinträchtigt sind, „möglicherweise maßgeschneiderte Beratung, Unterstützung und Nachschulung für das Fahren unter kognitiv anspruchsvollen Bedingungen“ benötigen.

Bezüglich der Kategorie der unsicheren Fahrer stellt die Studie außerdem fest: Im Vergleich zu den sicheren normalen Fahrern unterliefen unsicheren normalen Fahrern häufiger Fehler, zum Beispiel bei der Beobachtung, dem Einhalten der Fahrspur, der Geschwindigkeitskontrolle, an Stopp- und Vorfahrtsschildern, beim Spurwechsel oder beim Fahren durch Kurven.

Bei unsicheren MCI-Fahrer*innen hingegen kamen zusätzliche Schwierigkeiten hinzu: an Kreuzungen, in Kreisverkehren, beim Einparken, beim Geradeausfahren und unter Bedingungen der Selbstnavigation, zu denen zum Beispiel die Kontrolle des toten Winkels gehört. Bei diesen Menschen wurden stärkere Beeinträchtigungen beim räumlichen Vorstellungsvermögen und im ausführenden Bereich sowie hinsichtlich der Aufmerksamkeit beobachtet, die ein an den Straßenverkehr angepasstes Fahrverhalten nicht mehr vollständig zulassen.

An der Studie nahmen insgesamt 296 ältere Autofahrer*innen teil, 40,5 Prozent davon waren Frauen. Das Durchschnittsalter betrug 75,5 Jahre.

Hier geht’s zur Studie:

On-Road Behavior in Older Drivers With Mild Cognitive Impairment

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