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Als altersbedingte Erkrankungen treten Sehbehinderungen und Demenz häufig gleichzeitig auf. Durch den demografischen Wandel wird sich dieser Trend vermutlich noch verstärken. Eine umfangreiche Studie aus Großbritannien hat gezeigt, dass ein Großteil der Sehbeeinträchtigungen von Menschen mit Demenz nicht entdeckt oder nicht ausreichend behandelt wurde. In Pflegeheimen war das Problem besonders groß. 

Brillen auf einem Tisch, an der Wand dahinter eine Optiker-Testtafel mit Buchstaben.

Die Forscher*innen veröffentlichten ihre Untersuchung in der Reihe Health Services and Delivery Research. Obwohl es Belege für den Einfluss von Sehbehinderungen auf die Lebensqualität gebe, darunter ein gesteigertes Sturzrisiko, mangele es an Erkenntnissen darüber, wie verbreitet sie bei Menschen mit Demenz sind. Aufgrund von Daten aus zwei nationalen Studien vermuteten die Autor*innen, dass Betroffenen mit Katarakt-Operationen oder der richtigen Brille geholfen werden könnte und untersuchten ihre Hypothese durch eine Querschnitts-Studie und Befragungen.

Signifikante Sehbehinderung bei fast einem Drittel der Probanden

In der Querschnitts-Studie wurden bei 708 Menschen Augenuntersuchungen durchgeführt. Die Probanden waren zwischen 60 und 89 Jahre alt und hatten eine diagnostizierte Demenz. 389 von ihnen lebten zuhause, die übrigen 319 in Pflegeheimen. Fast ein Drittel der Teilnehmenden, bei denen die Sehfähigkeit gemessen werden konnte, hatten eine signifikante Sehbehinderung. Nach der Anpassung ihrer Brillengläser jedoch konnte die Hälfte von ihnen wieder so gut sehen, dass keine Sehbehinderung mehr festgestellt wurde. Bei fast der Hälfte der übrigen Probanden war ein grauer Star die Ursache für die Sehschwäche – und dieser konnte entfernt werden.

Besonders gravierend zeigte sich die Problematik bei den Teilnehmenden, die in Pflegeheimen wohnten: Bei ihnen wurde 2-2,5 mal häufiger eine Sehbehinderung festgestellt als bei denjenigen, die zuhause lebten.  

Bedarf für mehr Information und Vernetzung unter den Fachleuten

In einem zweiten Teil ihrer Studie befragten die Forscher*innen Menschen mit Demenz und Expert*innen aus Pflege und Augenoptik. Dabei zeigten sich über alle Bereiche hinweg Kommunikationslücken und der Bedarf für mehr Informationen, Vernetzung und Schulungen. Augenoptiker zum Beispiel sind den Angaben zufolge nicht immer informiert über Demenzdiagnosen, wenn sie Menschen untersuchen. Pflegekräfte auf der anderen Seite seien zum Teil unsicher, ob bei Menschen mit Demenz eine vollständige Augenuntersuchung überhaupt möglich ist, wenn sie zum Beispiel Schwierigkeiten beim Beantworten von Fragen haben.

Aufgrund der Vielzahl an nicht ausreichend korrigierten Sehbehinderungen durch Brillen, der unverhältnismäßig hohen Verbreitung bei den Teilnehmenden aus Pflegeheimen und des hohen Anteils an Sehbeeinträchtigungen durch potenziell heilbaren grauen Star empfehlen die Autor*innen der Studie folgende Maßnahmen:

  • Mehr Informationen über Augenheilkunde für Menschen mit Demenz und Pflegekräfte
  • Verbesserte Kommunikation zwischen Pflegekräften, Augenoptik-Expert*innen und Fachleuten aus anderen Gesundheitsbereichen
  • Anpassung der Augenuntersuchung, Brillenabgabe und Behandlung von Augenerkrankungen an individuelle Bedürfnisse
  • Verstärkte Beratung und Schulungen für Augenoptik-Fachleute in der Behandlung von Menschen mit Demenz

Weitere Informationen finden Sie hier:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK374272/

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