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Wenn Hörschädigungen und Demenz zusammenhängen, welche Rolle können dann Hörgeräte spielen? Können sie bei schwerhörigen Menschen die Diagnose einer Demenz verzögern? Das haben Forscher aus Michigan/USA untersucht.

Hörgerät

Hintergrund der Studie, die im Journal of the American Geriatrics Society veröffentlicht wurde: Trotz des Zusammenhangs zwischen Hörschädigungen und Demenzerkrankungen und einer Zunahme von Hörschädigungen bei älteren Menschen in Folge des demografischen Wandels werden Hörgeräte nach Einschätzung der Autoren eher selten und ungern verwendet. Als mögliche Ursachen wurden in der Forschung diskutiert: mangelnde wahrgenommene Notwendigkeit, begrenzter offensichtlicher Nutzen, unangenehme Anpassung, Stigmatisierung und Kosten.

Daten von knapp 115.000 US-Bürgern untersucht

Da frühere Forschungsergebnisse auf einen starken Zusammenhang zwischen Hörschädigung und negativen Lebensumständen wie soziale Isolation, Depression, kognitiver Rückgang, Verletzungen in Folge von Stürzen sowie reduzierte Lebensqualität hinwiesen, wollten die Forscher herausfinden, wie Hörgeräte als Behandlungsintervention wirken können. In einer retrospektiven Studie untersuchten sie den Zusammenhang zwischen dem Tragen von Hörgeräten und der Zeit bis zur Diagnose von drei altersbedingten Erkrankungen, die mit Hörschädigung assoziiert werden: Alzheimer und Demenz, Angstzustände und Depression sowie Stürze. Der Beobachtungszeitraum betrug drei Jahre nach der Diagnose der Schwerhörigkeit. Die Wissenschaftler untersuchten die Daten von 114.862 US-amerikanischen Frauen und Männern aus dem Zeitraum 2008 – 2016. Sie waren 66 Jahre und älter und hatten eine diagnostizierte Hörschädigung.

Ethnische und geschlechtsspezifische Unterschiede beim Tragen von Hörgeräten

Das Ergebnis der Studie: Die Verwendung von Hörgeräten ist mit einer verzögerten Diagnose von Alzheimer, Demenz, Depression, Angstzuständen und Stürzen bei älteren Erwachsenen mit Hörschädigung verbunden. Die Probanden, die Hörgeräte trugen, hatten ein signifikant geringeres Risiko für eine Diagnose der drei untersuchten Erkrankungen. Zudem zeigte die Analyse deutliche ethnische und geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Verwendung von Hörgeräten. So wurden sie von rund 11,3 Prozent der Frauen gegenüber 13,3 Prozent der Männer getragen. Ungefähr 13,6 Prozent der weißen Probanden verwendeten Hörgeräte gegenüber 9,8 Prozent der schwarzen und 6,5 Prozent der hispanischen.

Auf Basis dieser Ergebnisse betonen die Autoren die Bedeutung von Hörgeräten bei der Prävention von Demenz und gehen auch auf frühere Studienergebnisse ein: „Längere sensorische Deprivation aufgrund von Hör- oder Sehverlust wurde mit sozialer Isolation, Delirium und kognitivem Rückgang in Verbindung gebracht. Unsere Ergebnisse belegen zusätzlich, dass Hörschädigung ein modifizierbarer Risikofaktor (durch Hörgeräte-Intervention) für Alzheimer oder Demenz sein kann.“

Weitere Informationen finden Sie hier:

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jgs.16109

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