Wer viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte isst, könnte damit auch seinem Gehirn etwas Gutes tun. Aber lässt sich das auch pauschal auf eine vegetarische Ernährungsweise übertragen? Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus Taiwan hat sieben Langzeitstudien mit insgesamt über 220.000 Teilnehmenden ausgewertet und kommt zu einem differenzierten Ergebnis: Nicht jede pflanzliche Ernährung schützt vor Demenz.
In den sieben ausgewerteten Studien wurden Erwachsene über einen Zeitraum von durchschnittlich zehn Jahren begleitet. Dabei wurde erfasst, wie stark sich die Teilnehmenden an eine pflanzliche Ernährung hielten und ob sie im Laufe der Zeit eine Demenz oder kognitive Beeinträchtigungen entwickelten. Insgesamt kam es bei 5.668 Personen zu einer solchen Diagnose.
Pflanzlich essen senkt das Risiko – aber es kommt auf die Qualität der Nahrungsmittel an
Das Gesamtergebnis zeigt: Wer sich stärker pflanzlich ernährte, hatte ein um etwa 26 % niedrigeres Risiko, an Demenz oder einer kognitiven Beeinträchtigung zu erkranken, als jene mit dem geringsten Anteil pflanzlicher Lebensmittel. Doch dieser Zusammenhang gilt nicht für alle pflanzlichen Ernährungsweisen.
Die Forschenden unterschieden zwischen einer gesunden und einer ungesunden pflanzlichen Ernährung. Als gesund galten Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse und Nüsse. Als ungesund eingestuft wurden hingegen Weißmehlprodukte, Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke, die zwar ebenfalls pflanzlichen Ursprungs sind, aber wenig Nährstoffe liefern.
Das Ergebnis zeigt deutlich: Eine gesunde pflanzliche Ernährung war mit einem deutlich niedrigeren Demenzrisiko verbunden. Eine ungesunde pflanzliche Ernährung war hingegen mit einem höheren Risiko für Demenz und kognitive Beeinträchtigungen verknüpft.
Bei älteren Teilnehmenden war der beobachtete Zusammenhang stärker
Ein weiterer auffälliger Befund betrifft das Alter. Bei Studienteilnehmenden ab 65 Jahren war der beobachtete Zusammenhang einer pflanzlichen Ernährung besonders ausgeprägt: Ihr Risiko war im Vergleich zur Gruppe mit dem geringsten pflanzlichen Ernährungsanteil um mehr als die Hälfte geringer. Bei jüngeren Erwachsenen unter 65 Jahren fiel der Zusammenhang deutlich schwächer aus und war statistisch nicht gesichert.
Was die Studie nicht beantwortet
Die Autorinnen und Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass aus diesen Beobachtungen keine eindeutigen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge abgeleitet werden können. Die ausgewerteten Studien stammen überwiegend aus Asien, was die Übertragbarkeit auf andere Bevölkerungsgruppen einschränkt. Zudem wurden Ernährungsgewohnheiten in den meisten Fällen nur einmalig zu Studienbeginn erfasst. Für gesicherte Aussagen seien weitere, groß angelegte Studien notwendig.
Tipp für die Praxis: Ernährung ist einer von vielen Faktoren, die die Gehirngesundheit im Alter beeinflussen können. Wer wissen möchte, was man persönlich zur Verringerung seines Demenzrisikos tun kann, findet mit dem Präventionscoach Demenz® von digiDEM Bayern einen kostenlosen digitalen Einstieg. Das Angebot gibt individuelle Empfehlungen auf Basis des eigenen Lebensstils.
Hier geht’s zur Studie: Associations between plant-based dietary patterns and risks of cognitive impairment and dementia: A systematic review and dose-response meta-analysis
