Wie lange und wie oft Menschen tagsüber ein Nickerchen machen, wurde in der Forschung bereits häufiger mit dem Demenzrisiko in Verbindung gebracht. Eine neue US-amerikanische Langzeitstudie aus dem Rush Memory and Aging Project ging nun einen Schritt weiter und untersuchte nicht nur die Dauer, sondern auch den Zeitpunkt und die Regelmäßigkeit von Tagesschläfchen. Über 900 ältere Erwachsene trugen dafür bis zu 17 Jahre lang Bewegungssensoren am Handgelenk, die ihren Schlaf rund um die Uhr aufzeichneten. Bei 320 verstorbenen Teilnehmenden untersuchten die Forschenden zusätzlich das Hirngewebe nach dem Tod auf Alzheimer-typische Eiweißablagerungen.
Nickerchen am Vormittag und Demenzrisiko
Wer im Verhältnis zum gesamten Tagesschlaf besonders viele Nickerchen auf den Vormittag (zwischen 9 und 11 Uhr) legte, hatte im weiteren Studienverlauf ein deutlich höheres Risiko, an Alzheimer-Demenz zu erkranken, als Personen mit deutlich weniger Nickerchen am Vormittag. Nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und weiteren Basisfaktoren lag der Risikoanstieg bei rund 15 Prozent. Wurden jedoch weitere Faktoren einbezogen – etwa ein erblich bedingtes höheres Alzheimer-Risiko sowie Begleiterkrankungen und Medikamente – ließ sich der Zusammenhang statistisch nicht mehr eindeutig nachweisen. Die Forschenden werten das Ergebnis daher als Hinweis, nicht als gesicherten Beleg.
Nickerchen am Nachmittag und Eiweißablagerungen
Bei den Teilnehmenden, deren Gehirngewebe nach dem Tod untersucht wurde, zeigte sich ein weiterer Zusammenhang: Wer in den letzten Lebensjahren häufiger am frühen Nachmittag (zwischen 13 und 15 Uhr) ein Nickerchen machte, wies niedrigere Werte für Ablagerungen des Eiweißes Beta-Amyloid auf. Beta-Amyloid-Ablagerungen gelten als eines der zentralen Kennzeichen der Alzheimer-Erkrankung im Gehirn. Mit dem tatsächlichen Risiko, im Studienverlauf eine Demenz-Diagnose zu erhalten, stand das Nickerchen am Nachmittag allerdings nicht in Verbindung.
Regelmäßigkeit als möglicher Hinweisgeber
Neben dem Zeitpunkt interessierten sich die Forschenden auch dafür, wie stark die Dauer der Nickerchen von Tag zu Tag schwankte. Größere Schwankungen hingen sowohl mit höheren Beta-Amyloid-Werten als auch mit mehr sogenannten neurofibrillären Bündeln zusammen. Dabei handelt sich um Proteinknoten, die sich in den Nervenzellen des Gehirns ablagern. Auch dieser Zusammenhang zeigte sich jedoch nicht bei dem klinisch festgestellten Demenzrisiko, sondern ausschließlich bei den nach dem Tod gemessenen Gehirnveränderungen.
Ursache oder Folge?
Offen bleibt, in welche Richtung die gefundenen Zusammenhänge wirken. Es ist denkbar, dass bestimmte Nickerchen-Muster die Gehirngesundheit beeinflussen. Ebenso gut könnten sie aber eine frühe Folge von Veränderungen sein, die im Gehirn schon Jahre vor einer Diagnose beginnen und sich zunächst nur im Schlafverhalten bemerkbar machen. Die Studie kann diese Frage nicht abschließend klären, da sie Zusammenhänge zu einem bestimmten Zeitpunkt untersucht und keine Ursache-Wirkungs-Beziehung testet. Die Autorinnen und Autoren betonen daher, dass weitere Forschung nötig ist, bevor sich daraus konkrete Handlungsempfehlungen ableiten lassen.
Tipp für die Praxis: Verändert sich das Schlaf- oder Nickerchenverhalten einer nahestehenden Person merklich, kann das ein guter Anlass sein, auch auf mögliche Veränderungen der Gedächtnisleistung zu achten. Mit der Beurteilung der Gedächtnisleistung von digiDEM Bayern können An- und Zugehörige in einem kurzen Online-Test einschätzen, ob sich die geistige Leistungsfähigkeit einer Person in letzter Zeit verändert hat.
Hier geht’s zur Studie: Timing and intraindividual variability of daytime napping and Alzheimer’s disease in older adults
