Sieben bis acht Stunden Schlaf gelten gemeinhin als gesunder Richtwert. Doch reicht die richtige Schlafdauer allein schon aus, um das Demenzrisiko gering zu halten? Eine chinesische Studie analysierte Daten von fast 360.000 Teilnehmenden der UK Biobank, einer der größten Langzeitstudien der Welt, um dieser Frage nachzugehen. Neben der Schlafdauer wurden auch weitere Schlafmerkmale in den Blick genommen: wie leicht jemandem das Aufstehen fällt, ob er sich eher als Früh- oder Spättyp empfindet (also ob die innere Uhr eher auf frühes oder spätes Aufstehen und Aktivsein eingestellt ist), wie oft er tagsüber ein Nickerchen macht oder ungewollt eindöst und ob er Schlafmittel einnimmt. Über einen Zeitraum von durchschnittlich 13,6 Jahren erkrankten 5.123 der Teilnehmenden an einer Demenz.
Sieben bis acht Stunden als günstigster Bereich
Die Auswertung bestätigte einen U-förmigen Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Demenzrisiko: Sowohl bei sehr kurzem Schlaf (6 Stunden oder weniger) als auch bei sehr langem Schlaf (9 Stunden oder mehr) war das Risiko höher als bei 7 bis 8 Stunden. Menschen mit kurzem Schlaf hatten ein um rund 17 Prozent höheres Risiko, Menschen mit langem Schlaf ein um rund 26 Prozent höheres Risiko im Vergleich zur Gruppe mit 7 bis 8 Stunden Schlaf.
Auch einzelne Schlafgewohnheiten spielen eine Rolle
Unabhängig von der reinen Schlafdauer zeigten sich auch für weitere Schlafmerkmale Zusammenhänge mit dem Demenzrisiko. Wer morgens schwer aus dem Bett kam, hatte ein um rund 59 Prozent höheres Risiko als Menschen, denen das Aufstehen mittelschwer fiel. Auch bei besonders leichtem Aufstehen zeigte sich ein leicht erhöhtes Risiko. Ein ausgeprägter Frühtyp war ebenfalls mit einem etwas höheren Risiko verbunden (8 Prozent), während ein ausgeprägter Spättyp für sich allein betrachtet keinen eindeutigen Zusammenhang zeigte. Wer regelmäßig ein Nickerchen machte, hatte ein um rund 20 Prozent höheres Risiko, und bei häufigem, unbeabsichtigtem Eindösen am Tag lag das Risiko rund 36 Prozent höher. Am deutlichsten fiel der Zusammenhang bei Schlafmitteln aus: Sowohl bei klassischen Beruhigungs- und Schlafmitteln als auch bei anderen schlafwirksamen Medikamenten wie bestimmten Antidepressiva war das Risiko um rund drei Viertel erhöht.
Was passiert, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen?
Besonders aufschlussreich war der Blick auf Kombinationen der Merkmale. Selbst wer die empfohlenen 7 bis 8 Stunden schlief, hatte ein deutlich erhöhtes Risiko, wenn ihm zusätzlich das Aufstehen schwerfiel (79 Prozent höheres Risiko) oder wenn Schlafmittel eingenommen wurden (65 Prozent höheres Risiko bei klassischen Schlafmitteln). Eine günstige Schlafdauer allein scheint demnach kein verlässlicher Schutz zu sein, wenn andere Schlafgewohnheiten ungünstig ausfallen. Das insgesamt höchste Risiko der gesamten Studie zeigte sich bei Menschen, die 9 Stunden oder mehr schliefen und zusätzlich Schlafmittel einnahmen: Dieses war um 171 Prozent erhöht, also mehr als verdoppelt, verglichen mit Menschen, die 7 bis 8 Stunden schliefen und keine Schlafmittel nahmen. Auch die Kombination aus langem Schlaf und ausgeprägtem Spättyp (45 Prozent höheres Risiko) sowie aus kurzem Schlaf und regelmäßigem Nickerchen (54 Prozent höheres Risiko) ging mit einem deutlich erhöhten Risiko einher. Statistisch bestätigte sich zudem, dass sich eine ungünstige Schlafdauer und ungünstige Schlafgewohnheiten in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken können, anstatt sich nur zu addieren.
Was die Studie offen lässt
Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich aus den Daten keine Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten. Die Schlafgewohnheiten wurden zudem nur zu Studienbeginn per Selbstauskunft erfasst, spätere Veränderungen blieben unberücksichtigt. Die Studie bezieht sich außerdem ausschließlich auf eine europäische Bevölkerungsgruppe. Die Forschenden betonen, dass ihre Ergebnisse in erster Linie zeigen, wie eng verschiedene Schlafmerkmale mit dem Demenzrisiko zusammenhängen, nicht aber, dass eine Veränderung des Schlafverhaltens das Risiko automatisch senkt.
Tipp für die Praxis: Wer über längere Zeit Schwierigkeiten mit dem Schlaf hat oder auf Schlafmittel angewiesen ist, sollte das ärztlich abklären lassen, statt eigenständig etwas an der Medikation zu verändern. Mit dem digitalen Präventionscoach Demenz von digiDEM Bayern können Sie sich zudem über Risikofaktoren für Demenz informieren und Anregungen für einen gesundheitsförderlichen Alltag erhalten.
Hier geht’s zur Studie: Mutual effects of sleep duration and traits on the risk of dementia: A prospective study in the UK Biobank
