Kann man Demenz wirklich verhindern?

Kann man Demenz wirklich verhindern?

Weit verbreitet ist der Irrglaube, dass Demenz ein unausweichliches Schicksal im Alter sei. Doch die Wissenschaft zeigt ein klares Gegenbild: Laut dem aktuellen Bericht der Lancet Commission sind weltweit bis zu 45 % aller Demenzfälle auf 14 beeinflussbare Risikofaktoren zurückzuführen.

Eine neue, repräsentative Studie der Forscher Iris Blotenberg und Jochen René Thyrian, auf Basis des Deutschen Alterssurveys DEAS 2023 mit knapp 5.000 Teilnehmern, hat untersucht, wie groß dieses Präventionspotenzial speziell in Deutschland ist.

Ein Drittel aller Erkrankungen ist potenziell vermeidbar

Die Ergebnisse für Deutschland verdeutlichen die große Chance einer gezielten Vorbeugung. Etwa 36 Prozent der Demenzfälle im Land stehen in direktem Zusammenhang mit veränderbaren Risikofaktoren. Würde es gelingen, diese Risiken in der Bevölkerung um 15 Prozent zu senken, könnten bis zum Jahr 2050 rund 170.000 Erkrankungen verhindert oder zeitlich hinausgezögert werden. Bei einer Absenkung der Risikofaktoren um 30 Prozent stiege die Zahl der vermeidbaren Fälle sogar auf bis zu 330.000. Den größten Einfluss auf das Erkrankungsrisiko haben in Deutschland Depressionen, Hörverlust, ein niedriger Bildungsstand, Adipositas (Übergewicht) sowie Diabetes mellitus.

Typische Risikoprofile in der Bevölkerung

Die Studie macht deutlich, dass Risikofaktoren nicht isoliert vorkommen, sondern sich in charakteristischen Mustern bündeln. Das sogenannte „metabolische Profil“ betrifft vor allem Menschen mit Bluthochdruck, Übergewicht, erhöhten Cholesterinwerten und Diabetes. Das sogenannte „sensorische Profil“ ist dagegen von Hörminderungen und Sehbeeinträchtigungen geprägt. Ein weiteres Profil wird durch erhöhten Alkoholkonsum dominiert, während das Niedrigrisiko-Profil Personen mit sehr geringer Risikobelastung zusammenfasst. Die Befunde zeigen, dass Prävention zweigleisig verlaufen muss. Neben individuellen Verhaltensänderungen braucht es systemische Lösungsansätze wie einen besseren Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung, die leichtere Verfügbarkeit von Hörgeräten und mehr Bildungschancengleichheit.

Tipp für die Praxis: Bereits einfache Maßnahmen im Alltag, wie die regelmäßige Kontrolle des Gehörs, die Überprüfung von Blutdruck- und Blutzuckerwerten, soziale Aktivitäten oder Bewegung leisten einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der Gehirngesundheit. Für eine persönliche Einschätzung Ihrer Risikofaktoren nutzen sie den digiDEM Bayern Präventionscoach®.

Hier geht’s zur Studie: Toward targeted dementia prevention: Population attributable fractions and risk profiles in Germany

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