Von Video-Calls bis SMS: Digitale Schulungsangebote für pflegende An- und Zugehörige von Menschen mit Demenz

Von Video-Calls bis SMS: Digitale Schulungsangebote für pflegende An- und Zugehörige von Menschen mit Demenz

Rund zwei Drittel der Pflege von Menschen mit Demenz wird in Deutschland von pflegenden An- und Zugehörigen übernommen, oft ohne jede Vorbereitung auf diese anspruchsvolle Aufgabe. Ein Forschungsteam der Griffith University in Australien hat nun systematisch zusammengetragen, welche digitalen Schulungs- und Unterstützungsangebote es für diese Gruppe gibt und was sie tatsächlich bewirken.

Vier Arten digitaler Unterstützungsangebote

Die Forschenden werteten 18 Studien aus 16 Ländern aus, die meisten davon aus den vergangenen fünf Jahren. Dabei identifizierten sie vier Grundtypen digitaler Angebote: webbasierte Lernplattformen mit festen Kursinhalten, Video-Calls mit persönlicher Begleitung, Apps mit Achtsamkeitsübungen, Informationsangeboten oder Möglichkeiten zum Austausch mit anderen Betroffenen, sowie einfache SMS-Dienste.

Jede dieser Formen hat eigene Stärken: Lernplattformen eignen sich besonders gut, um strukturiertes Grundwissen zu vermitteln, während Video-Calls und Apps eher auf den persönlichen Austausch und emotionale Unterstützung setzen. SMS-Dienste wiederum erreichen auch Menschen mit wenig Erfahrung im Umgang mit digitalen Geräten.

Was die Angebote leisten

Die untersuchten Programme setzten an vier Punkten an: Wissen und praktische Fertigkeiten, psychische Entlastung, Kommunikation und sozialer Austausch sowie der sichere Umgang mit der Technik selbst. Am häufigsten wurden dabei Verbesserungen bei Stress, Angst und depressiven Symptomen sowie eine geringere Pflegebelastung berichtet. Auch die allgemeine Lebensqualität der pflegenden An- und Zugehörigen verbesserte sich in vielen der untersuchten Programme.

Worauf es ankommt

Damit digitale Angebote tatsächlich angenommen werden, sollten sie nach Einschätzung der Forschenden persönlich zugeschnitten, kultursensibel und technisch möglichst einfach gestaltet sein. Gerade ältere oder neue pflegende An- und Zugehörige stoßen bei komplexen Apps schnell an Grenzen, hier können einfach gehaltene Angebote wie SMS-Dienste eine gute Ergänzung sein. Die Autorinnen und Autoren betonen zudem, dass sich der Unterstützungsbedarf im Laufe der Pflegezeit verändert: Am Anfang steht meist der Wunsch nach Grundwissen, später rücken praktische Fertigkeiten und schließlich emotionale Themen wie der Umgang mit Belastung stärker in den Vordergrund.

Tipp für die Praxis: Auch digiDEM Bayern setzt auf digitale Unterstützung für pflegende An- und Zugehörige. Mit DEMAND und der Angehörigenampel stehen zwei digitale Angebote zur Verfügung, um den eigenen Unterstützungsbedarf und die eigene Belastungssituation einzuschätzen. Ergänzend vermittelt der Online-Pflegekurs praxisnahes Wissen zum Umgang mit Menschen mit Demenz, zeitlich und örtlich flexibel und im eigenen Tempo.

Hier geht’s zur Studie: Digital Dementia Education and Training for Informal Carers: A Scoping Review

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