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Kontaktbeschränkungen, Verlust von Unterstützung, Veränderung der Alltagsstruktur: Die Corona-Pandemie stellt gerade für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen einen tiefen Einschnitt dar. Wie sie sich auf die Belastung pflegender Angehöriger ausgewirkt hat, hat ein Forscherteam der Berliner Charité und des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) untersucht.

Bisherige Forschungs-Erkenntnisse deuten darauf hin, dass sich das Wohlbefinden von pflegenden Angehörigen während des Lockdowns im Vergleich zu Nicht-Pflegenden deutlich verschlechterte. Andrea Budnick von der Charité und ihre Kolleg*innen wollten diese Entwicklung genauer unter die Lupe nehmen. Ziel ihrer Studie war es, den Zusammenhang zwischen „Corona-bedingten Belastungs- und Unterstützungsfaktoren“ und dem „Pflegeeinsatz“ von pflegenden Angehörigen zu untersuchen. Unter “Corona-bedingten Belastungs- und Unterstützungsfaktoren” fassten sie etwa Probleme bei der Umsetzung der Corona-Maßnahmen oder auch den Verlust von Unterstützung. Der Begriff “Pflegeeinsatz” beinhaltete Punkte wie (hoher) Zeitaufwand, (hohe) Pflegestufe oder Demenz. Die Autor*innen gingen davon aus, dass die Mehrfachbelastung durch die Pandemie bei denjenigen stärker ist, die einen höheren Pflegeeinsatz angaben.

Online-Befragung während der Kontaktbeschränkungen

Für ihre Studie werteten sie die Angaben von 1.000 in Deutschland lebenden pflegenden Angehörigen im Alter zwischen 40 und 85 Jahren aus. Diese hatten vom 21. April bis 2. Mai 2020 an einer Online-Befragung teilgenommen, und somit in einer Zeit, in der die Kontaktbeschränkungen galten. Die Befragten waren durchschnittlich 60 Jahre alt. Mehr als die Hälfte waren Frauen; ebenfalls mehr als die Hälfte war berufstätig.

Bei der Online-Befragung wurden unter anderem folgende Punkte erhoben:

  • Negative Gefühle in der Pflege: Hier ging es darum, ob sich Gefühle, die durch die aktuelle Situation ausgelöst wurden (etwa Hilflosigkeit, emotional belastende Konflikte mit der Pflegeperson oder Verzweiflung) auf die Pflegesituation ausgewirkt haben.
  • Sorgen und Überforderung: Es sollten Aussagen bewertet werden wie: “Meine finanzielle Situation hat sich durch die Kombination von Pflegearbeit und der Corona-Situation verschlechtert” oder “Ich habe mehr Arbeit, weil Unterstützungsstrukturen weggefallen sind.”
  • Probleme bei der Umsetzung von Corona-Maßnahmen: Wie schwer fielen den Befragten Aspekte wie “körperlichen Kontakt mit dem Pflegebedürftigen möglichst vermeiden” oder “dem Pflegebedürftigen die Corona-Situation erklären und/oder ihn beruhigen”?
  • Verlust von Unterstützung: zum Beispiel durch Tagespflege, ambulante Pflege, 24-Stunden-Pflegekräfte, Familienangehörige und Nachbarn.

Diese und weitere Punkte wurden mit fünf Faktoren in Beziehung gesetzt, die Aufschluss über den Pflegeeinsatz gaben: Hauptpflegeperson sein, hoher Zeitaufwand, hoher Pflegegrad, Demenz, keine professionelle Hilfe.

Angehörige von Menschen mit Demenz fühlten sich verstärkt belastet

Die Ergebnisse zeigen, dass die Corona-Pandemie die Belastung pflegender Angehöriger insgesamt verstärkt hat. So gab fast ein Drittel der Hauptpflegepersonen an, dass sich ihre Pflegesituation verschlechtert hat. Bei den Angehörigen von Menschen mit Demenz war der Anteil mit knapp 40 Prozent sogar noch höher. Sie berichteten auch häufiger von negativen Gefühlen, Sorgen und Überforderung sowie dem Verlust von Unterstützung und hatten mehr Probleme mit der Umsetzung von Corona-Maßnahmen.

„Bestehende Unterstützungsangebote dringend aufrechterhalten“

Die Autor*innen weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Studien zufolge jede Veränderung in der täglichen Routine, z. B. die Durchführung von Hygienemaßnahmen oder Wechsel der Betreuung, Stress für Menschen mit Demenz und auch für die pflegenden Angehörigen verursachen. “Daher deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass bestehende Unterstützungsstrukturen dringend aufrechterhalten werden müssen und der Bedarf an Unterstützung während der COVID-19-Pandemie bei Menschen mit Demenz und ihren Betreuern sogar höher sein könnte als zuvor”, so die Forscher*innen. “Spezifische COVID-19-Pflegeangebote könnten einen Teil der zusätzlichen Belastung abfedern”. Darüber hinaus weisen die Forscher*innen auf die Möglichkeit von Telefon- oder Videokonferenzen hin, um mit Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben, um Sorgen zu besprechen und die verlorene Unterstützung etwas aufzufangen.

Hier geht es zur Studie:
Informal caregivers during the COVID-19 pandemic perceive additional burden: findings from an ad-hoc survey in Germany (April 2021)

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