Ist Demenz ein natürlicher Teil des Alterns?

Ist Demenz ein natürlicher Teil des Alterns?

Dass Demenz keine normale Begleiterscheinung des Älterwerdens ist, gilt in der Medizin als unumstritten. Doch wie steht es wirklich um das Wissen in der Bevölkerung? Eine europäische Studie hat das Allgemeinwissen zu Demenz auf den Prüfstand gestellt und untersucht, wie sich der Wissensstand nach Alter, Geschlecht, Bildungsniveau und persönlichem Kontakt zu Betroffenen unterscheidet.

Internationale Studie zeigt mangelndes Allgemeinwissen

In der Studie aus dem Jahr 2019 nahmen insgesamt 1.500 Personen aus der Schweiz und Italien an der Untersuchung teil. Zum Einsatz kam unter anderem der Fragebogen Dementia Knowledge Assessment Survey (DKAS), der verschiedene Aussagen zu Demenzerkrankungen überprüft. Im Durchschnitt erreichten die Teilnehmenden 22,4 von 50 möglichen Punkten. Als Orientierung für ein ausreichendes Wissen legten die Forschenden einen Schwellenwert von 30 Punkten oder mehr fest.

Dünnes Wissen und weit verbreitete Irrtümer

Obwohl Demenz medizinisch gesehen keine normale Alterserscheinung ist, glaubten 36,7 % der Befragten fälschlicherweise, dass die Erkrankung ein normaler oder möglicherweise normaler Teil des Alterungsprozesses sei. Weitere 4,4 % waren sich unsicher. Auffällig sind auch die Ergebnisse im Bereich Risikoreduktion und Gesundheitsförderung. Hier schnitten die Teilnehmenden mit durchschnittlich 4,6 von 12 Punkten am schlechtesten ab.

Wer weiß mehr über Demenz?

Bei der Auswertung der soziodemografischen Daten schnitten Frauen, Personen mit höherem Bildungsniveau sowie Menschen mit persönlichem Kontakt zu Demenzerkrankten deutlich besser ab. Das höhere Wissen von Frauen führen die Forschenden auf mehrere Faktoren zurück. Sie übernehmen häufiger die Pflege von Angehörigen und informieren sich im Schnitt aktiver über Gesundheitsthemen.

Beim direkten Vergleich der Altersgruppen erreichten die 30- bis 59-Jährigen die höchsten Gesamtwerte. Nach statistischer Berücksichtigung weiterer Merkmale zeigte sich allerdings kein statistisch nachweisbarer Zusammenhang zwischen Alter und Gesamtwissen. Im Bereich Betreuung und Pflege schnitt die Gruppe der über 60-Jährigen am besten ab.

Was offen bleibt

Die Studie belegt, dass das Wissen über Demenz bei den Befragten lückenhaft war. Vor allem Vorurteile bezüglich der Kommunikation mit Betroffenen sind stark verankert. Fast die Hälfte der Befragten hielt eine Verständigung mit Menschen im fortgeschrittenen Stadium für unmöglich. Die Forschenden warnen, dass solche Fehlannahmen Einsamkeit und soziale Ausgrenzung begünstigen könnten.

Tipp für die Praxis: Da Irrtümer über Demenz verbreitet sind, ist es umso wichtiger, mehr Sichtbarkeit für das Thema zu schaffen und gezielt über Prävention und Risikofaktoren aufzuklären. Mit dem digiDEM Bayern Wissenstest Demenz® können Sie Ihren eigenen Wissensstand überprüfen.

Hier geht’s zur Studie: Dementia is (not) a natural part of ageing: a cross-sectional study on dementia knowledge and misconceptions in Swiss and Italian young adults, adults, and older adults

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