Die Mitteilung einer Demenz-Diagnose oder einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (MCI) ist ein einschneidender Moment, der das Leben der Betroffenen und ihrer An- und Zugehörigen grundlegend verändert. Um Fachkräften evidenzbasierte Strategien für diese sensible Aufgabe an die Hand zu geben, hat ein Forschungsteam der University of Pennsylvania 23 Studien zur Thematik systematisch ausgewertet.

Patienten wünschen sich eine offene Aufklärung
Oft zögern Mediziner, die Diagnose offen auszusprechen, um Betroffene nicht zu belasten. Die analysierten Daten zeigen jedoch, dass über 85 % der Patienten in Gedächtnisambulanzen ausdrücklich über ihren kognitiven Status aufgeklärt werden möchten. Bei kognitiv gesunden älteren Erwachsenen sind es sogar 90 %. Eine klare Benennung der Erkrankung wird von der Mehrheit als notwendiger Schlüssel empfunden, um Unterstützung zu erhalten und die Zukunft planen zu können.
Die Rolle der An- und Zugehörigen im Prozess
Ein zentraler Baustein ist die Einbeziehung einer nahestehenden Person, die sogenannte triadische Kommunikation. Die Untersuchung unterscheidet hierbei zwei Ansätze: Während beim kollaborativen Modell alle Beteiligten gemeinsam beraten werden, sieht der trennende Ansatz vorbereitende Einzelgespräche vor. Dieser Weg kann besonders wertvoll sein, um die Autonomie der betroffenen Person zu schützen und An- und Zugehörigen einen geschützten Raum für Beobachtungen zu geben, die sie sonst aus Scham zurückhalten würden.
Verständliche Zahlen und die „Teach-back“-Methode
Für das Verständnis ist die Art der Informationsaufbereitung entscheidend. Statt abstrakter Prozentzahlen sollten natürliche Häufigkeiten genutzt werden, wie etwa: „Von 100 Menschen mit einer MCI entwickeln etwa 15 innerhalb eines Jahres eine Demenz“. In Kombination mit visuellen Hilfsmitteln verbessert dies die Erinnerungsleistung der Teilnehmenden signifikant.
Neben der reinen Information spielt die emotionale Begleitung eine messbare Rolle für die psychische Gesundheit. Ein empathischer Beziehungsaufbau sowie das Zulassen von Emotionen können das Risiko für spätere Depressionen und Ängste senken. Um Missverständnisse zu vermeiden, empfiehlt die Studie zudem die „Teach-back“-Methode: Patienten fassen die nächsten Schritte in eigenen Worten zusammen, was nachweislich die Zufriedenheit mit der Beratung erhöht.
Tipp für die Praxis: Nutzen Sie im Diagnosegespräch gezielt die „Teach-back“-Methode: Bitten Sie Ihr Gegenüber am Ende, die wichtigsten Punkte und nächsten Schritte in eigenen Worten zusammenzufassen. So stellen Sie sicher, dass keine folgenschweren Missverständnisse bestehen bleiben.
Da eine Demenz-Diagnose auch für An- und Zugehörige eine enorme emotionale Last bedeutet, bietet digiDEM Bayern die Angehörigenampel an. Dieser kurze Online-Test hilft pflegenden An- und Zugehörigen, ihre eigene Belastungssituation objektiv einzuschätzen und passende Unterstützung zu finden.
Hier geht’s zur Studie: Communicating a Diagnosis of Mild Cognitive Impairment or Dementia.
