Das Thema unseres Webinars spielt im Alltag von Menschen mit Demenz, pflegenden Angehörigen und professionellen Pflegekräften eine wichtige Rolle: Es geht um „Ernährung und Demenz“. Als Expertin konnten wir die Ernährungswissenschaftlerin Frau Prof. Dr. Dorothee Volkert gewinnen.

Frau Prof. Dr. Dorothee Volkert

Prof. Dr. Volkert arbeitet am Institut für Biomedizin des Alterns an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und ist Mitglied in diversen Fachgesellschaften für Ernährung. Sie ist Spezialistin auf dem Gebiet der Ernährungsforschung, einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist Ernährung bei Demenz.

Im Webinar erläuterte Prof. Dr. Volkert, welche Ernährungsprobleme im Laufe einer Demenzerkrankung auftreten können und gab Empfehlungen zur Ernährung bei Demenz.

Aus urheberrechtlichen Gründen können wir leider keinen Mitschnitt des Webinars zur Verfügung stellen. Einen guten Überblick zum Thema bietet das Online-Spezial Ernährung bei Demenz des Bundeszentrums für Ernährung, bei dem Prof. Dr. Volkert mitgewirkt hat. Weitere Literaturtipps finden Sie unten auf dieser Seite.

Mittwoch, 17.06.2020, 11.00-11.45 Uhr

Ernährung und Demenz

mit Prof. Dr. Dorothee Volkert

Kristina Holm

Wissenschaftliche Mitarbeiterin M. Sc.

Moderation

Anna Kirchner

Wissenschaftliche Mitarbeiterin M. Sc..

Betreuung Chatroom & Fragen

Fragen der Teilnehmer*innen und Antworten von Frau Prof. Dr. Dorothee Volkert:

Wie wichtig ist die Farbe der Nahrungsmittel für demenziell veränderte Menschen?

Generell ist es bei Menschen mit Demenz wichtig, im Zuge der Nahrungsaufnahme die Sinne anzusprechen. Beispielsweise auch durch unterschiedlich farbiges Geschirr. Entscheidend ist es dabei den Kontrast zu erhöhen. Die Sehkraft und die Fähigkeit, Dinge zu erkennen spielen dabei natürlich auch eine wichtige Rolle. Empfehlenswert ist es farbiges Geschirr zu verwenden, da sich das Essen von der Farbe des Tellers und der Teller sich vom Tisch abheben sollte. So kann beispielsweise bei Sehstörungen das Essen leichter gefunden werden. Allerdings ist dies im Einzelfall auch unterschiedlich. Man sollte es auf jeden Fall aber probieren, um zu sehen, ob die Veränderung den gewünschten Effekt hat. 

Gibt es Unterschiede zwischen der ESPEN-Leitlinie Ernährung bei Demenz und den Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Geriatrie bzw. der deutschen Gesellschaft für Ernährung?

Die Empfehlungen der deutschen Gesellschaft für Ernährung beziehen sich auf eine gesund erhaltende Ernährung, also auf die Prävention von Erkrankungen. Die Empfehlungen betreffen konkret die Ernährung. Die Leitlinien von ESPEN und der deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) befassen sich mit ernährungsbedingten Gesundheitsproblemen in der Geriatrie, vor allem der Thematik der Mangelernährung, und sind sehr deckungsgleich. Es handelt sich bei beiden um medizinische Fachgesellschaften. Die deutsche und europäische Fachgesellschaft arbeiten sehr eng zusammen, wechseln sich zeitlich mit der Aktualisierung der Leitlinien ab und bauen dabei aufeinander auf. Zur ESPEN-Leitlinie Ernährung bei Demenz gibt es kein deutsches Pendant, sie thematisiert gezielt die Ernährungsprobleme bei Menschen mit Demenz. Diese Thematik wird in DGEM-Leitlinie zur Ernährung in der Geriatrie nur am Rande angesprochen.

Gibt es neue Erkenntnisse bezüglich Demenz und Zuckerkonsum?

Dazu ist mir leider nichts bekannt.

Was sagt die Forschung zum Sterbefasten?

Sterbefasten, also nichts mehr zu essen und das eigene Leben damit zu beenden, ist ein ganz bewusster Prozess und eine ganz bewusste Entscheidung und daher bei Menschen mit Demenz nicht relevant. Bei ihnen ist das Ablehnen von Nahrung im fortgeschrittenen Krankheitsstadium – sofern keine anderen Ursachen zugrunde liegen – vielmehr darauf zurückzuführen, dass die Fähigkeiten, die zum Essen benötigt werden, verloren gehen. Ein aktueller Artikel, welcher sich mit dem Thema Sterbefasten beschäftigt ist nachfolgend aufgeführt:

Schmidhuber M. (2019). Freiwilliger Verzicht auf Flüssigkeit und Nahrung – Sterbefasten als ein Ausweg am Lebensende? Aktuelle Ernährungsmedizin, 44 (01), 43-45. doi:10.1055/a-0822-7013

Gibt es bestimmte Nahrungsmittel, die dabei helfen können die Kognitionen zu erhalten?

Es gibt keine speziellen Empfehlungen bezüglich bestimmter Nahrungsmittel, die die kognitive Leistungsfähigkeit erhalten oder verbessern. Auch ist in zahlreichen Studien zu diesem Thema nicht belegt, dass Supplemente oder bestimmte Nahrungsergänzungsmittel beim Erhalt der Kognition helfen würden. Insgesamt ist eine generell gesund erhaltende Ernährung auch für die Gesunderhaltung des Geists sinnvoll. Es gibt viele Studien, die den Zusammenhang zwischen Ernährung und Demenzrisiko untersucht haben und zu dem Schluss kommen, dass eine allgemein gesundheitsförderliche Ernährung mit viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, in Richtung einer mediterranen Ernährungsweise, sich auch günstig auf das Gehirn und die geistige Leistungsfähigkeit auswirkt.

Wichtige Leitlinien und Standards zum Thema Ernährung und Demenz

  • Volkert D et al. (2015). ESPEN Guidelines on Nutrition in dementia. Clin Nutr, 34(6), 1052-1073.
  • Volkert D, Sieber CC, Wirth R (2016). Ernährung bei Demenz. Neue Leitlinie der “European Society for Clinical Nutrition and Metabolism“. Dtsch Med Wochenschr, 141(11): 762-766.
  • Volkert D et al. (2013). Leitlinie der Dt. Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in Zusammenarbeit mit der GESKES, der AKE und der DGG. Klinische Ernährung in der Geriatrie. Aktuel Ernahrungsmed, 38(03), e1-e48.
  • Volkert D et al. (2019). ESPEN guideline on clinical nutrition and hydration in geriatrics. Clinical Nutrition, 38(1), 10-47.
  • Oehmichen F et al. (2013). Ethische und rechtliche Gesichtspunkte der künstlichen Ernährung. Aktuel Ernahrungsmed, 38(02), 112-117.
  • Druml C et al. (2016). ESPEN guideline on ethical aspects of artificial nutrition and hydration. Clin Nutr, 35(3), 545-556.
  • DNQP-Expertenstandard zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege. DNQP Osnabrück 1. Aktualisierung 2017

Weitere Literaturhinweise

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: DGE-Praxiswissen Essen ung Trinken bei Demenz
  • Dt. Alzheimer-Gesellschaft und Barmer Pflegekasse (Hrsg.): Ernährung in der häuslichen Pflege von Menschen mit Demenz
  • Vilgis TA, Lendner I, Caviezel (2015). Ernährung bei Pflegebedürftigkeit und Demenz: Lebensfreude durch Genuss. Springer Verlag.
  • Menebröcker C, Rebbe J (2008). Genuss im Alter: Kochen für Menschen mit Demenz. Verlag Books on Demand, Norderstedt.
  • Stapel K. (2016). Gut Essen trotz Vergessen. Innovative Verpflegungskonzepte bei Demenz. Umschau-Zeitschriftenverlag Wiesbaden.
  • Blog zum Thema „Ernährung und Demenz
  • Volkert D (Hrsg.) (2015). Ernährung im Alter. Verlag de Gruyter, Berlin.

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