Was die Lebensqualität bei Demenz wirklich verbessert

Was die Lebensqualität bei Demenz wirklich verbessert

Wie lässt sich die Lebensqualität von Menschen mit Demenz verbessern? Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus Großbritannien hat 324 Studien zu dieser Frage ausgewertet und kommt zu einem klaren Ergebnis: Nicht Medikamente, sondern gemeinsame Aktivitäten und gezielte Unterstützung machen den größten Unterschied.

Das Forschungsteam der Universität Nottingham analysierte neun wissenschaftliche Datenbanken und wertete Studien aus, die entweder medikamentöse oder nicht-medikamentöse Behandlungsansätze bei Menschen mit Demenz untersuchten. Im Mittelpunkt stand dabei nicht die Frage, ob Gedächtnisleistungen verbessert werden können, sondern ob sich das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität der Betroffenen steigern lassen.

Kognitive Aktivierung in der Gruppe wirkt am stärksten

Die stärkste und am besten belegte Wirksamkeit zeigte die sogenannte kognitive Stimulationstherapie in der Gruppe. Dabei treffen sich Menschen mit Demenz regelmäßig in kleinen Gruppen, um durch angeleitete Gespräche, Rätsel, kreative Aufgaben und alltagsbezogene Themen kognitive und soziale Fähigkeiten zu aktivieren. Die Auswertung von sechs Studien mit besonders hohen Qualitätsanforderungen (RCTs) bestätigte, dass diese Form der Aktivierung die Lebensqualität messbar verbessert.

Viele weitere Ansätze zeigen ebenfalls positive Wirkung

Neben der Gruppenaktivierung fanden die Forschenden für mehr als 40 weitere nicht-medikamentöse Angebote gute Belege. Dazu gehören unter anderem Erinnerungsarbeit, bei der Betroffene über ihre Lebensgeschichte sprechen, Ergotherapie zur Unterstützung im Alltag, Musiktherapie, körperliche Bewegung sowie Kunsttherapie und Tanzangebote. Auch Begleitroboter, Atemübungen zur Körperhaltung und ein strukturierter Schlaf-Ratgeber für An- und Zugehörige zeigten in einzelnen Studien positive Ergebnisse.

Medikamente verbessern die Lebensqualität kaum

Für medikamentöse Behandlungen fiel das Ergebnis deutlich nüchterner aus. Nach dem Bewertungssystem GRADE, mit dem die Verlässlichkeit wissenschaftlicher Ergebnisse bewertet wird, gab es für keines der untersuchten Medikamente sichere Hinweise auf eine Verbesserung der Lebensqualität. Einige Studien zu bestimmten Wirkstoffen zeigten zwar einzelne positive Effekte, diese waren jedoch entweder schwach, widersprüchlich oder basierten auf Studien mit geringer Aussagekraft. Die Forschenden schlussfolgern, dass medikamentöse Therapien allein nicht ausreichen, um die Lebensqualität bei Demenz zu verbessern.

Wo es noch Lücken gibt

Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass die ausgewerteten Studien sehr unterschiedlich aufgebaut waren und verschiedene Messinstrumente für Lebensqualität nutzten. Das macht den Vergleich der Ergebnisse schwierig. Für viele der positiv bewerteten Angebote gibt es bislang nur wenige Studien. Zudem wurden Menschen mit sehr schwerer Demenz in vielen Studien nicht berücksichtigt.

Tipp für die Praxis: Setzen Sie bei Demenz nicht nur auf Medikamente, sondern gezielt auf gemeinsame Aktivität: regelmäßige Gruppenangebote, Gespräche, Musik, Bewegung oder Erinnerungsarbeit können die Lebensqualität spürbar stärken. Eine ausführliche Darstellung von nicht-medikamentösen Behandlungsansätzen (sogenannte psycho-soziale Interventionen) finden Sie in der S3-Leitlinie Demenzen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: https://www.dgn.org/leitlinie/demenzen

Hier geht’s zur Studie: Systematic review of the efficacy of pharmacological and non-pharmacological interventions for improving quality of life of people with dementia

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