Hintergrund: Demenzerkrankungen werden nach wie vor zu wenig diagnostiziert. Eine Studie aus Mecklenburg-Vorpommern zeigt, dass im primärärztlichen Bereich bei 60 % der positiv auf Demenz gescreenten Personen keine formale Demenzdiagnose vorlag [1]. Damit Therapie- und Unterstützungsangebote von Menschen mit Demenz in Anspruch genommen werden können, ist eine Diagnosestellung unabdingbar. Gedächtnisambulanzen können für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen maßgeblich zu einer zeitgerechten und leitliniengetreuen Diagnostik beitragen [2]. Insbesondere in peripheren, ländlichen Räumen bestehen hier Zugangsbarrieren zu diesem wichtigen Angebot.

Zielsetzung: Im Rahmen des Projekts digiDEM Bayern werden daher die Erreichbarkeiten von Gedächtnisambulanzen für die Teilnehmenden des Registers und für die bayerische Gesamtbevölkerung ermittelt.

Methodik: digiDEM Bayern ist eine multizentrische, prospektive Längsschnittstudie, die in allen sieben Regierungsbezirken Bayerns durchgeführt wird. Teilnehmende sind Menschen mit leichten kognitiven Einschränkungen sowie Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz und deren pflegende Angehörige, die in der häuslichen Umgebung leben. Alle teilnehmenden Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen werden vor Studieneinschluss gescreent.

Mithilfe von GIS werden Erreichbarkeitsanalysen durchgeführt. Zu diesem Zweck werden sowohl alle Gedächtnisambulanzen in Bayern als auch die, im Register eingeschlossenen Betroffenen, kartiert, um Ungleichheiten im Untersuchungsgebiet aufzuzeigen. Die Gedächtnisambulanzen werden dabei unter anderem auf Grundlage der Übersichtskarte der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. identifiziert. Für die Teilnehmenden aus dem Register können Adressdaten auf Postleitzahlebene herangezogen werden.

Ausblick: Aus den Analysen ergeben sich erste Erkenntnisse, wo Zugangsbarrieren für Menschen mit Demenz im Bereich der Diagnosestellung bestehen. Die Identifizierung unterversorgter Gebiete kann dazu beitragen, die politischen Entscheidungsträger auf Ungleichheiten im Zugang zu Gedächtnisambulanzen aufmerksam zu machen. So können Strategien entwickelt werden, um allen Betroffenen unabhängig von ihrem Wohnort eine zeitgerechte Diagnosestellung zu ermöglichen.

Literaturverzeichnis:

[1] Eichler T, Thyrian JR, Hertel J et al. Rates of formal diagnosis of dementia in primary care: The effect of screening. Alzheimers Dement (Amst) 2015; 1: 87-93. doi:10.1016/j.dadm.2014.11.007
[2] Hausner L, Frölich L, von Arnim CAF et al. Gedächtnisambulanzen in Deutschland – strukturell-organisatorische Voraussetzungen und Aufgabenfelder. Der Nervenarzt 2021; 92: 708-715. doi:10.1007/s00115-020-01007-7

2022-09-30_Vortrag-Kongress-der-Deutschen-Alzheimer-Gesellschaft_Folien_Homepage_JRUe

Vortrag vorgestellt auf dem 11. Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft am 01.10.2022

Jana Rühl, Sebastian Brinkmann, Dominik Schaufler, Elmar Gräßel, Blake Walker, Peter L. Kolominsky-Rabas

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