Hörverlust gehört zu den häufigsten gesundheitlichen Veränderungen im höheren Lebensalter. Etwa jede dritte Person über 65 Jahren ist betroffen. Seit einigen Jahren vermuten Forschende zudem einen Zusammenhang zwischen Schwerhörigkeit und einem erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen und Demenz. Doch kann die Versorgung mit Hörgeräten tatsächlich helfen, geistigen Abbau zu verlangsamen oder sogar Demenz vorzubeugen? Dieser Frage ist ein Forschungsteam aus Australien in einer aktuellen Studie nachgegangen.
Die Forschenden nutzten Daten aus einer großen australischen Langzeitstudie. In die Auswertung wurden rund 2.800 Personen ab 70 Jahren einbezogen, die zu Studienbeginn keine Demenz hatten, aber über Hörprobleme berichteten und bislang keine Hörgeräte nutzten. Verglichen wurden zwei Gruppen: Personen, die im Laufe der Studie erstmals Hörgeräte erhielten und Personen mit Hörproblemen, die keine Hörgeräte nutzten. Die Teilnehmenden wurden über einen Zeitraum von bis zu 7 Jahren begleitet.

Hörgeräte schützen vor geistigem Abbau
Über die Jahre hinweg zeigte sich insgesamt kein deutlicher Unterschied im allgemeinen kognitiven Leistungsniveau zwischen Menschen mit und ohne Hörgeräte. Anders gesagt: Hörgeräte konnten den altersbedingten Abbau von Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder Denkgeschwindigkeit im Durchschnitt nicht messbar verlangsamen.
Anders sah es allerdings beim Risiko für Demenz aus: Personen mit Hörgeräten erkrankten seltener an Demenz als jene ohne Hörgeräte. Konkret lag das Risiko nach 7 Jahren in der Gruppe mit Hörgeräten bei 5,0 %, während es in der Gruppe ohne Hörgeräte 7,5 % betrug.
Auch das Risiko für eine allgemeine kognitive Beeinträchtigung (also deutliche Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten, mit oder ohne Demenzdiagnose) war etwas geringer. Besonders interessant: Menschen, die ihre Hörgeräte regelmäßig oder fast immer trugen, hatten das niedrigste Demenzrisiko. Wer Hörgeräte nur selten nutzte, profitierte deutlich weniger.
Warum schützen Hörgerate vor Demenz?
Es gibt verschiedene Theorien, warum gutes Hören so wichtig für den Kopf ist. Wer schlecht hört, muss sich beim Zuhören stark anstrengen. Diese zusätzliche Rechenleistung fehlt dem Gehirn dann an anderer Stelle. Zudem führen Hörprobleme oft dazu, dass sich Menschen aus Gesprächen zurückziehen und weniger soziale Kontakte pflegen – was wiederum ein bekannter Risikofaktor für Demenz ist. Hörgeräte helfen dabei, das Gehirn aktiv am Leben teilhaben zu lassen und die Nervenbahnen durch akustische Reize zu trainieren.
Nutzung von Hörgeräten elementar für Demenzprävention
Auch wenn Hörgeräte keine Wundermittel gegen geistigen Abbau sind, unterstreicht die Studie, dass die Behandlung von Hörverlust ein einfacher und wirksamer Weg sein kann, um das Demenzrisiko im Alter zu senken. Gerade für Menschen mit bereits bestehender Schwerhörigkeit lohnt es sich, nicht nur an die Lebensqualität im Alltag zu denken, sondern auch an mögliche langfristige Effekte auf die Gehirngesundheit.
Tipp für die Praxis: Um Ihre Hörleistung niedrigschwellig und schnell testen zu können, nutzen Sie den digiDEM Bayern Hörtest. Sollte bei Ihnen der Verdacht für einen Hörverlust vorliegen, lassen Sie diesen professionell abklären. Verschließen Sie sich nicht vor der Nutzung von Hörgeräten, sondern nutzen Sie diese bei Verschreibung möglichst regelmäßig und dauerhaft, um ihr Demenzrisiko zu senken.
Hier geht’s zur Studie:
Treating Hearing Loss With Hearing Aids for the Prevention of Cognitive Decline and Dementia
