Hormontherapie in den Wechseljahren: was die Forschung über das Alzheimer-Risiko weiß

Hormontherapie in den Wechseljahren: was die Forschung über das Alzheimer-Risiko weiß

Die Frage, ob eine Hormontherapie in den Wechseljahren das Alzheimer-Risiko beeinflusst, beschäftigt Forschung und Medizin seit Jahrzehnten und lieferte bislang widersprüchliche Ergebnisse. Ein internationales Team aus New York und Florenz hat nun in der bislang umfangreichsten Zusammenfassung des Forschungsstands erstmals ausgewertet, ob es einen Unterschied macht, wann Frauen mit einer Hormontherapie beginnen und welche Art von Hormonen sie einnehmen.

Millionen von Teilnehmerinnen, zwei Studientypen

In die Auswertung flossen 6 klinische Studien, in denen die Vergabe der Hormontherapie per Zufallsprinzip zugeteilt worden war, sowie 45 Beobachtungsstudien, in denen die Gesundheit von Frauen über lange Zeiträume nachverfolgt wurde. Insgesamt umfassten diese Daten knapp 800.000 Frauen mit einer Demenzerkrankung und mehr als 5,5 Millionen gesunde Vergleichspersonen.

Klinische Studien: erhöhtes Risiko bei älteren Frauen

Die klinischen Studien wurden ausschließlich an Frauen ab 65 Jahren durchgeführt. Sie zeigten insgesamt ein um 38 Prozent erhöhtes Demenzrisiko unter Hormontherapie im Vergleich zu Frauen, die kein Hormonpräparat erhielten. Dieses Ergebnis wurde vor allem durch die Kombination aus Östrogen und Gestagen getrieben. Die alleinige Gabe von Östrogen ohne Gestagen war in diesen Studien nicht mit einem eindeutig erhöhten Risiko verbunden. Die Forschenden betonen, dass diese Frauen weit außerhalb des Zeitraums behandelt wurden, in dem eine Hormontherapie möglicherweise schützend wirkt.

Langzeitbeobachtungen: der Zeitpunkt macht den Unterschied

In den Langzeitbeobachtungen zeigte sich ein anderes Bild: Hier war eine Hormontherapie insgesamt mit einem um 22 Prozent niedrigeren Alzheimer-Risiko und einem um 19 Prozent niedrigeren Risiko für alle Demenzformen verbunden. Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang bei Frauen, die eine reine Östrogentherapie im mittleren Lebensalter begannen, also rund um den Beginn der Menopause. Für diese Gruppe zeigte die Auswertung einen Rückgang des Demenzrisikos von rund 32 Prozent. Eine im höheren Lebensalter begonnene Therapie zeigte dagegen eher einen Trend zu einem leicht erhöhten Risiko, der sich aber nicht eindeutig nachweisen ließ. Eine längere Therapiedauer war außerdem mit einem stärkeren Rückgang des Demenzrisikos verbunden als eine kurze Anwendung.

Die Forschenden schlussfolgern, dass die vorliegenden Daten auf ein Zeitfenster hindeuten, in dem die Östrogentherapie möglicherweise schützend wirkt, vor allem wenn sie im mittleren Lebensalter begonnen wird. Sie betonen aber ausdrücklich, dass die überwiegende Grundlage dieser Erkenntnisse aus Beobachtungsstudien stammt und methodisch komplexere klinische Studien an jüngeren Frauen noch ausstehen. Konkrete Behandlungsempfehlungen lassen sich daraus nicht ableiten.

Tipp für die Praxis: Eine Entscheidung über eine Hormontherapie sollte stets individuell und in Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt getroffen werden, da viele persönliche Gesundheitsfaktoren zu berücksichtigen sind. Über weitere beeinflussbare Risikofaktoren für kognitive Gesundheit informiert der digiDEM Bayern Präventionscoach®.

Hier geht’s zur Studie: Systematic review and meta-analysis of the effects of menopause hormone therapy on risk of Alzheimer’s disease and dementia

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