Benzodiazepine, Antidepressiva oder Antipsychotika: Forschende aus Kanada und Irland haben untersucht, wie sich Psychopharmaka auf die Kognition älterer Erwachsene auswirken. Die Wissenschaftler haben dabei einen Zusammenhang zwischen einer regelmäßigen Anwendung von Benzodiazepinen, bestimmten Antidepressiva und Antipsychotika und dem kognitiven Abbau bei älteren Erwachsenen identifiziert.
Wie die Forschenden aus Kanada und Irland berichten, leidet jeder vierte Mensch über 65 Jahren an einer psychischen Erkrankung. Dabei treten Angststörungen am häufigsten auf. Älteren Erwachsenen werden daher häufig Psychopharmaka verschrieben. Ein Blick in die wissenschaftliche Literatur zeigt auch: Mit zunehmendem Alter erhöht sich auch das Risiko, kognitiv abzubauen. Sowohl für die klinische Praxis als auch in der Wissenschaft spielt das Verständnis der Auswirkungen von Psychopharmaka auf die Kognition älterer Erwachsener daher eine entscheidende Rolle.
Einfluss von Psychopharmaka
“Unsere Studie untersucht und vergleicht erstmals den Einfluss verschiedener Psychopharmaka auf die kognitive Leistungsfähigkeit von älteren Erwachsenen”, schreiben die Forschenden. In ihrer systematischen Übersichtsarbeit wurden unter anderem Antidepressiva, Antipsychotika, Benzodiazepine, Stimmungsstabilisatoren und/oder eine Kombination dieser Medikamente berücksichtigt.

In der 2024 veröffentlichten Publikation haben die Forschenden Hinweise darauf gefunden, dass die gemeinsame Einnahme von Benzodiazepinen und bestimmten Antidepressiva zu einem kognitiven Abbau bei älteren Erwachsenen führte, die zuvor keine kognitiven Beeinträchtigungen hatten. Auch die kombinierte Einnahme von Antipsychotika und anderer Psychopharmaka war mit einem Rückgang der geistigen Leistungsfähigkeit verbunden.
Erhöhtes Risiko für kognitiven Abbau durch die Einnahme von Antidepressiva
Die Untersuchung zeigte, dass gesunde Personen ohne anfängliche kognitive Beeinträchtigungen ein höheres Risiko für kognitiven Abbau haben, wenn sie Antidepressiva einnehmen, verglichen mit Personen, die bereits kognitive Beeinträchtigungen hatten. Bei letzteren war der Einfluss der Antidepressiva auf die kognitiven Fähigkeiten hingegen gering.
Auch Antipsychotika beeinflussen geistige Leistungsfähigkeit
Der Einfluss von Benzodiazepinen auf einen kognitiven Rückgang war hingegen gering, wie mehrere der analysierten Studien zeigten. Anders stellte sich die Situation bei Antipsychotika dar. Hier ließ die geistige Leistungsfähigkeit bei älteren Erwachsenen nach, wenn diese regelmäßig Antipsychotika einnahmen. Deutlicher machte sich hingegen der Einfluss von Stimmungsstabilisatoren bemerkbar: “In den ersten 12 Monaten der Anwendung wurde ein Verlust des Hirnvolumens festgestellt.”
Mehr Demenzerkrankungen bei kombinierter Einnahme
Hinsichtlich einer Kombination von Psychopharmaka gelangten die Forschenden zu der Erkenntnis: “Bei der Anwendung von Antipsychotika und Benzodiazepine wurde ein signifikanter kognitiver Rückgang beobachtet.” Unter den kognitiv gesunden Teilnehmenden, die „länger wirksame Benzodiazepine“ einnahmen, wurden häufiger Demenzdiagnosen gestellt als in der Vergleichsgruppe. Dies deutet darauf hin, so die Forschenden, “dass die negativen kognitiven Auswirkungen wahrscheinlich auf die Einnahme von Psychopharmaka zurückzuführen sind.” Davon besonders betroffen waren diejenigen, die eine Kombination aus Benzodiazepinen und anderen Psychopharmaka erhielten.Was die Übersichtsarbeit auszeichnete, waren der Nachbeobachtungszeitraum von mindestens sechs Monaten sowie analysierte Studien von hoher wissenschaftlicher Qualität.
Tipp für die Praxis: Für Ärztinnen und Ärzte, die älteren Erwachsenen Psychopharmaka verschreiben, ist es unerlässlich, sich über die kognitiven Auswirkungen von Psychopharmaka eingehend zu informieren – insbesondere dann, wenn mehrere der Medikamente über einen längeren Zeitraum hinweg eingenommen werden.
Hier geht’s zur Studie:
Impact of psychotropic medications on cognition among older adults: a systematic review

Ich beobachte bei mir seit einigen Monaten eine verstärkte Vergesslichkeit und Wortfindungsstörung.
Darüber bin ich sehr beunruhigt.
Hallo Frau Deleen,
vielen Dank für Ihren Kommentar und dafür, dass Sie sich mit uns in Verbindung setzen. Wir verstehen, dass eine zunehmende Vergesslichkeit und Wortfindungsstörungen sehr beunruhigend sein können – und möchten Ihnen ein paar erste Orientierungspunkte mitgeben.
Zunächst ist es wichtig zu wissen: Diese Symptome können viele Ursachen haben, die gut behandelbar sind, darunter Schlafmangel, Stress, ein Vitaminmangel oder eine Schilddrüsenunterfunktion. Eine frühzeitige Abklärung ist daher sehr sinnvoll und gibt Ihnen Sicherheit.
Ihr Hausarzt ist der beste erste Schritt. Er kann eine erste Einschätzung vornehmen, einfache Tests durchführen und Sie bei Bedarf an einen Neurologen oder eine Gedächtnisambulanz überweisen.
Ansonsten bietet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft ein kostenloses und anonymes Beratungstelefon an – auch wenn noch keine Diagnose vorliegt: 030 259 37 95 14 (Mo.–Do. 9–18 Uhr, Fr. 9–15 Uhr).
Schließlich finden Sie unter http://www.deutsche-alzheimer.de spezialisierte Gedächtnisambulanzen in Ihrer Nähe, an die Sie sich ebenfalls wenden können.
Wir wünschen Ihnen alles Gute und hoffen, dass sich die Ursache schnell und erfolgreich klären lässt.
Viele Grüße vom digiDEM Bayern-Team