Wie kann der eigene Job im Zusammenspiel mit dem Schlafverhalten das Demenzrisiko beeinflussen?

Wie kann der eigene Job im Zusammenspiel mit dem Schlafverhalten das Demenzrisiko beeinflussen?

Ob jemand im Job viele eigene Entscheidungen trifft oder engen Vorgaben folgt, prägt den Arbeitsalltag vieler Menschen. Die Arbeitspsychologie unterscheidet Berufe dabei häufig anhand von zwei Achsen: wie hoch die Anforderungen sind und wie viel Entscheidungsspielraum sie lassen. Ein Forschungsteam aus Schweden und China hat nun untersucht, ob sich solche Arbeitsbedingungen auf das Demenzrisiko auswirken, und ob der eigene Schlaf dabei eine Rolle spielt. Datengrundlage war die schwedische National March Cohort mit 19.369 Teilnehmenden ab 46 Jahren, die durchschnittlich über einen Zeitraum von 19 Jahren befragt wurden.

Wenig Kontrolle im Job, höheres Risiko

Menschen mit wenig Entscheidungsspielraum in ihrem Job hatten ein um 20 Prozent höheres Risiko, im Studienverlauf an einer Demenz zu erkranken, verglichen mit Menschen mit viel Entscheidungsspielraum. Besonders deutlich zeigte sich das bei sogenannten „passiven“ Jobs – Tätigkeiten mit wenig Anforderungen und gleichzeitig wenig Entscheidungsspielraum, etwa in der Reinigung oder Sachbearbeitung: Hier lag das Risiko um 36 Prozent höher als bei „aktiven“ Jobs mit hohen Anforderungen und viel Kontrolle, wie sie etwa Ärzte, Ingenieure oder Führungskräfte häufig haben. Die Anforderungen eines Jobs für sich genommen, also wie viel Arbeitspensum oder Zeitdruck jemand hat, unabhängig vom Entscheidungsspielraum, zeigten dagegen keinen eindeutigen Zusammenhang mit dem Demenzrisiko. Entscheidend war also weniger, wie viel von jemandem verlangt wurde, sondern wie viel Kontrolle die Person dabei über ihre Arbeit hatte.

Überraschung: Der Zusammenhang zeigte sich vor allem bei gutem Schlaf

Die Forschenden prüften zusätzlich, ob Schlafdauer und Ein- oder Durchschlafstörungen diesen Zusammenhang verändern. Das überraschende Ergebnis: Das erhöhte Risiko durch wenig Kontrolle oder einen passiven Job zeigte sich vor allem bei Menschen, die mindestens 7 Stunden pro Nacht schliefen und keine Schlafstörungen hatten. Bei Menschen mit kurzer Schlafdauer oder mit Schlafstörungen ließ sich dagegen kein zusätzlicher Zusammenhang zwischen Stress im Job und Demenzrisiko nachweisen. Konkret: Bei normaler Schlafdauer hatten Menschen mit passivem Job ein um 58 Prozent höheres Risiko als Menschen mit aktivem Job. Bei kurzer Schlafdauer verschwand dieser Unterschied nahezu vollständig.

Was das bedeuten könnte

Das heißt allerdings nicht, dass schlechter Schlaf vor den Folgen von Stress im Job schützt. Die Forschenden vermuten stattdessen, dass Menschen mit kurzem Schlaf oder Schlafstörungen bereits unabhängig vom Job ein erhöhtes Ausgangsrisiko haben könnten. Eine mögliche Erklärung: Bei dauerhaftem Schlafmangel ist die körpereigene Stressreaktion bereits stark aktiviert, sodass sich der zusätzliche Effekt belastender Arbeitsbedingungen statistisch schlechter abgrenzen lässt. Bemerkenswert ist außerdem: Schlafdauer und Schlafstörungen allein waren in dieser Studie nicht eindeutig mit dem Demenzrisiko verbunden, anders als in einigen anderen Untersuchungen.

Grenzen der Studie

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich daraus keine Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten. Arbeitsbedingungen und Schlaf wurden nur einmal zu Studienbeginn erfasst, spätere Veränderungen blieben unberücksichtigt. Mehr als die Hälfte der Demenzfälle ließ sich zudem nicht genauer nach Demenzform unterscheiden.

Tipp für die Praxis: Wer im Job wenig Einfluss auf die eigenen Aufgaben hat, muss deshalb nicht zwangsläufig ein höheres Demenzrisiko haben. Die Studie zeigt aber, dass belastende Arbeitsbedingungen ein Faktor unter mehreren sein können. Der Präventionscoach Demenz von digiDEM Bayern hilft dabei, das eigene Demenzrisiko und mögliche beeinflussbare Faktoren im Blick zu behalten und zeigt individuelle Ansatzpunkte für die Prävention auf.

Hier geht’s zur Studie:

The interaction of sleep characteristics and work-related stress in relation to the risk of dementia: findings from a Swedish cohort study

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