Eine Demenzerkrankung wirkt sich nicht nur auf die geistige Leistung oder die Fähigkeit, aus, den Alltag zu bewältigen. Sie kann auch Auswirkungen auf die eigene Identität haben, die sich in Form von Veränderungen in beruflichen, familiären und sozialen Rollen kennzeichnen. Diese Persönlichkeitsveränderungen bergen dabei häufig Ängste und Unsicherheiten über die Zukunft, insbesondere da Demenzerkrankungen nach wie vor von Stigmatisierungen betroffen sind.

Moderne digitale Werkzeuge, wie Social-Media-Plattformen, bieten vielversprechende Möglichkeiten, der eigenen Identität Ausdruck zu verleihen. Forscherinnen der Bournemouth University aus Großbritannien haben mithilfe von Interviews nun untersucht, wie Menschen mit Demenz Social Media nutzen, um ihrer Identität Ausdruck zu verleihen und mit der Erkrankung umzugehen.

Die Wissenschaftlerinnen konnten dabei vier Themenbereiche identifizieren, die zeigen, wie Social-Media-Plattformen Möglichkeiten zur Selbstdarstellung, Sichtbarkeit und Assoziation bieten. Dadurch können Nutzer ihr Selbstbewusstsein bewahren, Stereotypen infrage stellen und Verbindungen zur Gemeinschaft pflegen.

Einige der Menschen mit Demenz nutzen die sozialen Medien beispielsweise dafür, ihre Diagnose zu teilen und versuchten dabei, ein differenziertes Bild von Demenz zu vermitteln, das sowohl positive als auch negative Aspekte umfasste. Zudem ermöglichten es soziale Medien den Menschen mit Demenz, Aspekte ihrer Identität zu bewahren, was ein Gefühl der Kontinuität zwischen ihrem Selbst vor und nach der Diagnose förderte. Durch die Nutzung sozialer Medien konnten Menschen mit Demenz Aspekte ihrer Persönlichkeit zum Ausdruck bringen, die über ihre Demenzdiagnose hinausgingen, und so ein ganzheitlicheres und facettenreicheres Selbstverständnis entwickeln. Insgesamt boten soziale Medien Möglichkeiten der Selbstdarstellung, Sichtbarkeit und Zugehörigkeit.

„Soziale Medien sind für Menschen mit Demenz weit mehr als nur Zeitvertreib sie können helfen, mit der eigenen Erkrankung besser umzugehen und Sichtbarkeit zu schaffen.“

Anne Keefer, digiDEM Bayern-Wissenschaftlerin

An der Studie nahmen zehn Personen teil, darunter drei Frauen und sieben Männer im Alter zwischen 51 und 72 Jahren. Die Teilnehmenden kamen aus dem Vereinigten Königreich, der Republik Irland, Kanada und Australien.

„Durch die Möglichkeit zur Selbstdarstellung, Sichtbarkeit und Vernetzung können soziale Medien Menschen mit Demenz dabei unterstützen, ihr Selbstbewusstsein zu bewahren, Vorurteile zu bekämpfen und mit anderen Betroffenen in Kontakt zu treten“, schlussfolgern die Forscherinnen.

Obwohl es durchaus Bedenken hinsichtlich der Selbstoffenbarung im Internet gab, hatte der Austausch von Erfahrungen mit Demenz auch therapeutische Vorteile und half bei der Akzeptanz und Anpassung. Angesichts der zunehmenden Verbreitung der Nutzung sozialer Medien unter Menschen mit Demenz fordern die Wissenschaftlerinnen proaktive Maßnahmen von Fachkräften im Gesundheitswesen, politischen Entscheidungsträgern, Technologieentwicklern und Pflegekräften erforderlich, um Online-Erfahrungen zu fördern, die sicher, unterstützend und inklusiv für Menschen mit Demenz sind.

Tipp für die Praxis: Soziale Medien bieten Möglichkeiten der Selbstoffenbarung und des Kontakts mit anderen Betroffenen. Setzten Sie sich mit den Vorteilen und Risiken sozialer Medien auseinander, vielleicht können sie beim Umgang mit der Erkrankung helfen.

Hier gelangen Sie zur Zusammenfassung der Studie:

Navigating who I was and who I am online: How people with dementia use social media platforms to support identity

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