Neue WHO-Leitlinie: Was Demenz wirklich vorbeugt, und was nicht

Neue WHO-Leitlinie: Was Demenz wirklich vorbeugt, und was nicht

Wie lässt sich das persönliche Demenzrisiko senken? Die WHO hat darauf jetzt eine aktualisierte Antwort vorgelegt, sieben Jahre nach der ersten Fassung ihrer Leitlinie von 2019. Der Handlungsdruck ist groß: Den aktuellsten verfügbaren Schätzungen zufolge leben weltweit rund 57 Millionen Menschen mit Demenz, über 60 Prozent davon in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen. Da es weiterhin keine ursächliche Behandlung gibt, bleibt Prävention über die gesamte Lebensspanne hinweg die wirksamste Strategie.

Für fünf bereits 2019 untersuchte Risikofaktoren, darunter körperliche Aktivität, Rauchen und Alkoholkonsum, bestätigte die WHO die bestehenden Empfehlungen unverändert. Acht weitere Risikofaktoren wurden komplett neu überprüft, etwa geistige und soziale Aktivität, Ernährung sowie der Umgang mit Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und Hörverlust. Und erstmals bezog die WHO acht ganz neue Bereiche mit ein: Schlaganfall, Schädel-Hirn-Traumata, HIV, Sehkraft, Schlaf, Depression, Luftverschmutzung sowie Hormonersatztherapie in den Wechseljahren. Für die meisten dieser neuen Bereiche reicht die Studienlage laut WHO aber noch nicht aus, um eine konkrete Empfehlung auszusprechen.

Zwei klare Aussagen gibt es dennoch: Eine Hormonersatztherapie wird speziell zur Demenzvorbeugung bei Frauen ab 65 Jahren nicht empfohlen. Und Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin B, Vitamin E, Omega-3-Fettsäuren oder Multivitaminpräparate werden ebenfalls nicht empfohlen, sofern kein nachgewiesener Mangel vorliegt.

Tipp für die Praxis: Die Leitlinie unterstreicht, wie wichtig ein Zusammenspiel mehrerer beeinflussbarer Faktoren ist, statt sich auf einzelne Maßnahmen zu verlassen. Der Präventionscoach Demenz von digiDEM Bayern greift genau das auf und begleitet Interessierte dabei, mehrere Risikofaktoren gleichzeitig in den Blick zu nehmen.

Hier geht’s zu den Leitlinien: Risk reduction of cognitive decline and dementia: WHO guidelines, second edition

2 Kommentare

  1. Ich bin seit mehr als 30 Jahren und ganz unterschiedlich Ehrenamtlich tätig und hoffe sehr, dass dies auf mein Gedächtnis positiv auswirkt!
    Ich bin jetzt 78 Jahre alt und habe meine Mama, die schwer dement krank war, 10 Jahre lang gepflegt. Jetzt habe ich natürlich schon Angst,
    dass ich auch dement werden könnte!
    Kann Demenz vererbt werden?

    Christine Kreuzer
    1. Liebe Frau Kreuzer,

      vielen Dank für Ihre so persönliche und offene Frage. Zunächst einmal: Über 30 Jahre ehrenamtliches Engagement und zehn Jahre Pflege Ihrer Mutter, das verdient großen Respekt!

      Zu Ihrer Frage, ob Demenz vererbt werden kann: Die gute Nachricht ist – in den allermeisten Fällen nein. Nur etwa 1 bis 3 Prozent aller Alzheimer-Erkrankungen gehen auf die sogenannte familiäre (erblich bedingte) Form zurück, bei der eine Genmutation direkt von einem Elternteil weitergegeben wird. Diese seltene Form zeigt sich meist schon deutlich vor dem 65. Lebensjahr.

      Die weit überwiegende Mehrheit der Alzheimer- und Demenzerkrankungen – etwa 95 bis 99 Prozent – ist die altersbedingte Form. Hier spielt vor allem das Alter die entscheidende Rolle, nicht die Vererbung.

      Wichtig ist auch der Unterschied zwischen „vererbt“ und „Risikofaktor“: Es gibt bestimmte Gene (etwa eine Variante namens ApoE4), die das Erkrankungsrisiko etwas erhöhen können. Das bedeutet aber nicht, dass man zwangsläufig erkrankt. Viele Menschen mit diesem Gen bleiben ihr Leben lang gesund.

      Sie müssen sich also durch die Erkrankung Ihrer Mutter keine zusätzlichen Sorgen machen. Ihr persönliches Risiko ist dadurch nicht automatisch erhöht. Und ein aktiver, sozial eingebundener Lebensstil, wie Sie ihn durch Ihr langjähriges Ehrenamt pflegen, gilt als einer der Faktoren, die sich positiv auf das Demenzrisiko auswirken können.

      Alles Gute Ihnen weiterhin!

      Lucas Westermann

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