Laut einem aktuellen Bericht im Alzheimer’s and Dementia Journal kann der Gehalt an falsch gefaltetem Amyloid-Beta (Aβ)-Protein im Blut das Risiko einer Person, an Alzheimer zu erkranken, genau vorhersagen.

Blutplasma

Während der Progression einer Alzheimer-Erkrankung erfahren Aβ-Proteine deutliche strukturelle Veränderungen: Ausgehend von einzelnen, geordneten Proteinen werden sie zu geclusterten, falsch gefalteten Aggregaten. Diese falsch gefalteten Aggregate bilden die amyloiden Plaques im Gehirn, die wiederum die Krankheitskaskade auslösen. Jüngste Forschungserkenntnisse haben gezeigt, dass die Menge an falsch gefaltetem Aβ im Gehirn mit falsch gefaltetem Aβ in Liquor und Blutplasma korreliert. Allerdings müssen weitere Studien noch die Leistung von falsch gefaltetem Aβ als Früherkenner der klinischen Alzheimer-Erkrankung bewerten, verglichen mit etablierten Prädiktoren wie dem Risikogen ApoE4. 

Falschfaltung von Aβ übertraf Vorhersagekraft des ApoE4-Gens bei weitem

Um diese Frage zu beantworten, nutzten die Forscher um Dr. Hannah Stocker und Kollegen von der Universität Heidelberg die laufende ESTHER-Kohortenstudie. Von 2000-2002 rekrutierte ESTHER 9.940 Teilnehmer im Alter zwischen 50-75 Jahren mit regelmäßiger klinischer Betreuung. Von diesen Probanden identifizierten die Forscher 150 Personen mit einer Demenzdiagnose während des 14-jährigen Follow-ups und 620 gesunde Personen. Mit Hilfe eines Immun-Infrarot-Sensor-Tools maß das Forscherteam den Grad der Falschfaltung von Aβ in Blutplasmaproben dieser Teilnehmer zu Studienbeginn und über den 14-jährigen Follow-up-Zeitraum.  In Übereinstimmung mit früheren Studien war ApoE4status ein guter Prädiktor für die Diagnose einer Alzheimer-Erkrankung: Personen mit anApoE4genotype hatten eine 2,4-fach höhere Wahrscheinlichkeit, klinisch mit Alzheimer diagnostiziert zu werden. Die Falschfaltung von Aβ übertraf jedoch bei weitem die Vorhersagekraft des ApoE4-Gens, mit einer 23-fach erhöhten Wahrscheinlichkeit für die klinische Alzheimer-Diagnose noch viele Jahre vor der Entwicklung der Symptome.

Messung der Falschfaltung von Aβ ermöglichte auch Unterscheidung zwischen verschiedenen Demenz-Formen

Die Messung der Falschfaltung von Aβ erlaubte es den Forschern auch, zwischen einer Alzheimer-Demenz, vaskulärer Demenz und anderen Mischdemenzen zu unterscheiden.

Einschränkungen der Studie waren die relativ geringe Teilnehmerzahl mit klinisch bestätigter Alzheimer-Erkrankung; weitere groß angelegte Studien sind daher erforderlich. Dennoch deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass Aβ-Falschfaltungen genutzt werden könnten, um das Alzheimer-Risiko zu schichten und Klinikern zu helfen, zwischen verschiedenen Arten von Demenz zu unterscheiden.   

Weitere Informationen zur Studie:

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S155252601935349X