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Wenn eine Demenzerkrankung weit fortgeschritten ist, lässt sich der Übergang in ein Pflegeheim häufig nicht mehr vermeiden. Aufgrund ihrer Symptome und zum Teil begleitender Erkrankungen erhalten Menschen mit Demenz dort oft eine Vielzahl von Medikamenten, die sich auch auf die Sturzgefahr auswirken können. Forscher*innen des Universitätsklinikums Erlangen / der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg haben nun herausgefunden, dass die Häufigkeit von Sturzereignissen mit ärztlich behandlungsbedürftiger Verletzungsfolge bei Demenzerkrankten in Pflegeheimen bei Einnahme von zentralnervös dämpfender Medikation erhöht ist.

Ältere Frau mit Gehstock stützt sich auf jüngere Frau, von hinten

Für ihre Untersuchung analysierten Theresa Lippert und Kolleg*innen die Daten von 139 Menschen mit Demenz aus fünf Pflegeheimen über einen Zeitraum von zwölf Monaten. Im Schnitt waren die Demenzerkrankten knapp 85 Jahre alt, fast 83 Prozent waren weiblich. Die Daten stammen aus einer Studie über die nicht-medikamentöse Gruppentherapie MAKS®, die die Aktivierung der motorischen, alltagspraktischen, kognitiven sowie sozial-kommunikativen Fähigkeiten zum Ziel hat und deren Wirksamkeit evidenzbasiert nachgewiesen wurde. Für die aktuelle Studie über eine mögliche Sturzgefahr durch dämpfende Medikamente bewerteten die Experten der klinischen Pharmakologie alle zum Studienbeginn verschriebenen Arzneimittel hinsichtlich ihrer dämpfenden bzw. aktivierenden Wirkung auf einer 5­stufigen Skala. Die so ermittelten Werte wurden für jede Person zu einem „Dämpfungsscore“ aufaddiert, der wiederum mit Stürzen mit Verletzungsfolge in Zusammenhang gebracht wurde.

55 Prozent erhielten Psychopharmaka

Die wichtigsten Ergebnisse: Fast 30 Prozent aller Personen erhielten Arzneimittel der „PRISCUS-Liste“, einer Aufstellung von Medikamenten, die bei älteren Patienten nicht oder nur mit Vorsicht eingesetztwerden sollten. 50 Prozent bekamen einen Wirkstoff der „ACB-Liste“. Diese Liste führt Wirkstoffe mit anticholinergen (Neben-)Wirkungen wie Mundtrockenheit, Sehstörungen, Verstopfung oder Herzrhythmusstörungen auf, aktuell wird jedoch auch über das Risiko einer Verringerung der kognitiven Fähigkeiten bei Gabe bei Demenzerkrankten diskutiert. Zudem erhielten 55 Prozent der Probanden Psychopharmaka, und 66 Prozent wurden mit mindestens fünf Arzneimitteln behandelt. 62 Prozent erhielten zentralnervös dämpfende Wirkstoffe.

Bei 36 der 139 Personen kam es innerhalb der zwölf Monate zu Stürzen, die ärztlich behandelt werden mussten. Der errechnete „Dämpfungsscore“ zeigte einen signifikanten Zusammenhang mit Sturzereignissen mit Verletzungsfolge: Eine stärkere zentralnervöse Dämpfung führte zu häufigeren Stürzen. Nach Ansicht der Autor*innen sollte bei der Behandlung von Demenzerkrankten daher stärker darauf geachtet werden, möglichst wenig solcher Arzneimittel einzusetzen. Darüber hinaus sollten auch Medikamente mit anticholinergen oder mortalitätserhöhenden Wirkungen nach Möglichkeit vermieden werden. 

Die vollständige Studie finden Sie hier:

https://eref.thieme.de/ejournals/1439-4421_2020_01#/10.1055-a-1071-7911

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