784 pflegende An- und Zugehörige von Menschen mit Demenz aus den USA haben im Rahmen zweier bundesweiter Erhebungen aus dem Jahr 2017 Angaben zu ihrem Schlaf und ihrem Erleben der Pflegesituation gemacht. Eine Auswertung dieser Daten hat nun untersucht, welche drei Aspekte der Pflegebeziehung besonders eng mit gutem oder schlechtem Schlaf zusammenhängen: die empfundene Belastung, der wahrgenommene persönliche Nutzen der Pflege und die Qualität der Beziehung zur gepflegten Person.
Eine gute Beziehung allein reicht nicht als Erklärung
Zunächst zeigte sich ein positiver Zusammenhang: Pflegende, die ihre Beziehung zur gepflegten Person als besonders gut beschrieben, berichteten mit höherer Wahrscheinlichkeit von gutem Schlaf. Sobald die Forschenden jedoch zusätzlich die selbst eingeschätzte körperliche Gesundheit und nächtliche Unterbrechungen durch die Pflegetätigkeit in die Berechnung einbezogen, verlor dieser Zusammenhang an statistischer Aussagekraft und war nicht mehr eindeutig nachweisbar. Die Beziehungsqualität allein erklärt den Schlaf der Pflegenden also offenbar nicht zuverlässig, sondern hängt eng mit anderen Faktoren zusammen.
Belastung bleibt auch nach Berücksichtigung anderer Faktoren bedeutsam
Anders bei der empfundenen Pflegebelastung: Je stärker sich die Teilnehmenden durch Erschöpfung, fehlende Zeit für sich selbst oder das Gefühl überwältigender Verantwortung belastet fühlten, desto geringer war die Wahrscheinlichkeit für guten Schlaf. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem alle anderen erfassten Faktoren berücksichtigt wurden. Insgesamt schätzten die Teilnehmenden ihre Belastung im Durchschnitt jedoch als eher gering ein.
Wahrgenommener Nutzen der Pflege zeigte keinen Zusammenhang mit dem Schlaf
Überraschend war ein weiteres Ergebnis: Ob Pflegende die Pflege auch als bereichernd erlebten, etwa weil sie sich dadurch kompetenter fühlten oder die Beziehung zur gepflegten Person als gestärkt empfanden, stand in dieser Studie in keinem Zusammenhang mit der Schlafqualität.
Gesundheit und nächtliche Störungen spielten die größte Rolle
Am deutlichsten hingen zwei andere Faktoren mit gutem Schlaf zusammen: eine gut eingeschätzte eigene körperliche Gesundheit und ein Schlaf, der selten oder nie durch die Pflegetätigkeit unterbrochen wurde. Immerhin 80 Prozent der Teilnehmenden gaben an, dass ihr Schlaf selten oder nie durch die gepflegte Person gestört wurde, während 45 Prozent ihren eigenen Schlaf als ausgezeichnet oder sehr gut einstuften. Von den drei eingangs betrachteten Aspekten der Pflegebeziehung blieb damit nur die empfundene Belastung auch nach Berücksichtigung aller anderen Faktoren mit dem Schlaf verknüpft – ein möglicher Ansatzpunkt für Unterstützungsangebote.
Was die Studie offen lässt
Die Daten wurden nur zu einem Zeitpunkt erhoben. Es bleibt daher offen, ob eine hohe Pflegebelastung den Schlaf verschlechtert oder ob umgekehrt schlechter Schlaf die Belastung größer erscheinen lässt. Auch wurde die Schlafqualität nur mit einer einzelnen Frage erfasst, nicht durch objektive Messungen wie eine Aktigraphie (ein Gerät am Handgelenk, das Schlaf über mehrere Nächte hinweg misst). Zudem lagen keine Angaben zum Schweregrad der Demenz oder zu herausfordernden Verhaltensweisen der gepflegten Person vor.
Tipp für die Praxis: Die Studie deutet darauf hin, dass insbesondere die empfundene Belastung den Schlaf beeinflussen könnte. Mit der Angehörigenampel von digiDEM Bayern können pflegende An- und Zugehörige in einem kurzen Online-Test einschätzen, wie es aktuell um ihre eigene Belastungssituation steht, und erhalten darauf aufbauend Hinweise auf passende Unterstützungsangebote. Daneben kann es sich lohnen, auch konkrete Entlastungsmöglichkeiten vor Ort zu prüfen, etwa Tagespflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste oder Betreuungsdienste, die stundenweise Entlastung im Alltag ermöglichen.
Hier geht’s zur Studie: Identifying Key Factors Contributing to Poor Sleep Quality in Caregivers of Persons Living With Dementia
