Was macht eine Stadt wirklich demenzfreundlich? Wichtige Erkenntnisse für Kommunen und Politik

Was macht eine Stadt wirklich demenzfreundlich? Wichtige Erkenntnisse für Kommunen und Politik

Viele Städte und Gemeinden möchten sich „demenzfreundlich“ nennen, doch was genau dahintersteckt, blieb bislang oft vage. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zehn Handlungsfelder benannt, die eine demenzfreundliche Gesellschaft ausmachen sollen, von Sicherheit bis Wohnen. Ein Forschungsteam aus den Niederlanden hat nun 129 Studien ausgewertet, um herauszuarbeiten, was genau das in der Praxis bedeutet.

Zwei Hürden ziehen sich durch alle Bereiche

Über alle zehn Bereiche hinweg identifizierte das Team zwei Hindernisse, die besonders häufig auftauchten: Stigmatisierung, also Vorurteile und Berührungsängste, die Betroffene zum sozialen Rückzug bewegen, sowie eine eingeschränkte Zugänglichkeit von Gebäuden, Verkehr und Information. Die Studie macht deutlich: Bauliche Maßnahmen allein reichen nicht aus. Erst im Zusammenspiel mit gesellschaftlichem Bewusstsein entfalten sie ihre Wirkung.

Was das in der Praxis bedeutet

Im Bereich Wohnen zeigt die Auswertung, dass einfache Anpassungen wie bessere Beleuchtung, rutschfeste Böden und klare Orientierungshilfen Stürze deutlich reduzieren und Sicherheit geben können. Beim Thema Mobilität benennt die Studie fünf Erfolgsfaktoren: Verfügbarkeit, Zugänglichkeit, Akzeptanz, Anpassungsfähigkeit und Bezahlbarkeit von Angeboten. Und im Bereich Respekt und soziale Einbindung erwiesen sich generationsübergreifende Begegnungen zwischen Kindern und Menschen mit Demenz als wirksamer Weg, um Vorurteile abzubauen.

Ein Großteil der ausgewerteten Studien stammt aus wohlhabenden westlichen Ländern, weshalb offenbleibt, wie sich die Erkenntnisse auf einkommensschwächere Regionen übertragen lassen. Auch digitale Technik, die in der Praxis längst überall eine Rolle spielt, fehlt im offiziellen WHO-Rahmenwerk bislang als eigener Bereich.

Tipp für die Praxis: Sichere Wohnräume sind ein zentraler Baustein demenzfreundlicher Umgebungen. Mit dem Portal „Sicheres Pflegen zu Hause“ bietet digiDEM Bayern pflegenden An- und Zugehörigen ein virtuelles Haus, in dem sie Raum für Raum mögliche Gefahrenquellen erkennen und passende Schutzmaßnahmen kennenlernen können.

Hier geht’s zur Studie: Social and physical environments in dementia-inclusive societies: A scoping review of the dementia-friendly cities and communities‘ literature

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