Alzheimer nach der Menopause – eine wachsende globale Herausforderung

Alzheimer nach der Menopause – eine wachsende globale Herausforderung

Frauen erkranken häufiger an Alzheimer und anderen Demenzen als Männer. Ein wesentlicher biologischer Faktor dabei ist die Menopause, nach der der schützende Einfluss von Östrogen auf das Gehirn entfällt. Eine aktuelle Studie aus China hat nun systematisch ausgewertet, wie sich die weltweite Krankheitslast bei Frauen nach der Menopause (postmenopausal) von 1990 bis 2021 entwickelt hat und wie sie sich bis 2050 voraussichtlich verändern wird.

35 Millionen Betroffene mit steigender Tendenz

Grundlage der Analyse waren die Daten der Global Burden of Disease Study 2021, einer umfassenden internationalen Erhebung zu Häufigkeit, Sterblichkeit und krankheitsbedingten Einschränkungen in 204 Ländern. Im Jahr 2021 lebten weltweit rund 35 Millionen postmenopausale Frauen mit Alzheimer oder einer anderen Demenzerkrankung, knapp 6 Millionen erkrankten neu, und 1,32 Millionen starben infolge der Erkrankung. Die Krankheitslast stieg über den gesamten Beobachtungszeitraum kontinuierlich an, mit dem stärksten Zuwachs zwischen 2019 und 2021. Regional war die Belastung in Ostasien, vor allem in China, am höchsten. Die höchsten Sterblichkeitsraten fanden sich in Zentralafrika südlich der Sahara.

Bevölkerungswachstum und Alterung als Haupttreiber

Die Forscher untersuchten, warum die Zahl der Betroffenen so stark gestiegen ist. Das Ergebnis ist eindeutig: Zu rund 94 Prozent lässt sich der Anstieg damit erklären, dass die Weltbevölkerung wächst und immer älter wird. Verbesserungen oder Verschlechterungen im Erkrankungsgeschehen selbst spielten kaum eine Rolle. Zudem erkranken Frauen in wirtschaftlich gut entwickelten Ländern überproportional häufig, und dieser Unterschied zwischen ärmeren und reicheren Ländern hat sich im Laufe der Jahre noch vergrößert.

Erhöhter Blutzucker als wichtigster beeinflussbarer Risikofaktor

Von den untersuchten beeinflussbaren Risikofaktoren entfiel mit ca. 14,5 Prozent der krankheitsbedingten Lebensjahrverluste der größte Anteil auf einen erhöhten Nüchternblutzucker. Übergewicht folgte mit ca. 7,9 Prozent, Rauchen mit ca. 1,8 Prozent. Die Forschenden erklären den hohen Stellenwert des Blutzuckers auch biologisch: Östrogen reguliert normalerweise den Glukosestoffwechsel im Gehirn. Nach der Menopause entfällt dieser Schutz, was das Gehirn anfälliger für die negativen Auswirkungen eines dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegels macht.

Den Projektionen des eingesetzten Vorhersagemodells zufolge könnten bis 2050 mehr als 125,5 Millionen postmenopausale Frauen weltweit von Alzheimer oder anderen Demenzen betroffen sein, wenn keine wirksameren Präventions- und Behandlungsstrategien eingeführt werden.

Tipp für die Praxis: Blutzuckerkontrolle, körperliche Bewegung und ein gesundes Körpergewicht sind nicht nur für die allgemeine Gesundheit, sondern auch für die langfristige kognitive Gesundheit von Bedeutung. Mit dem digiDEM Bayern Präventionscoach® können Sie sich über alle bekannten beeinflussbaren Demenzrisikofaktoren informieren und erhalten evidenzbasierte Tipps zur Prävention.

Hier geht’s zur Studie:Epidemiological trends and cross-country inequalities in the global burden of Alzheimer’s disease and other dementias in postmenopausal women from 1990 to 2021

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Zum Inhalt springen