Unruhiger und gestörter Schlaf ist mehr als nur eine Belastung im Alltag – er könnte auch langfristige Folgen für die Gehirngesundheit haben. Eine aktuelle Studie einer Forschergruppe aus New York untersuchte den Zusammenhang zwischen obstruktiver Schlafapnoe (OSA), einer Erkrankung, bei der es in der Nacht zu Atemaussetzern kommt, und dem Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Die Ergebnisse liefern neue Hinweise auf den Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und Demenz und gehen dabei auch auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowie verschiedene ethnischen Gruppen ein.
Als Datengrundlage nutzen die Forschenden die Aufzeichnungen von 3.978 Personen ab 65 Jahren aus einem Schlaflabor. Diese hatten zum Zeitpunkt der ersten Untersuchung keine kognitiven Auffälligkeiten. Die Teilnehmenden wurden über einen Zeitraum von 8 Jahren begleitet, um neu auftretende Alzheimer-Diagnosen zu erfassen. Anschließend wurden 663 Personen mit diagnostizierter Schlafapnoe mit Personen ohne Schlafapnoe verglichen. Erfasst wurden Sauerstoffmangel (Hypoxie), wiederholtes nächtliches Aufwachen und die Schlafdauer insgesamt. Die Untersuchungen machen deutlich: Personen mit obstruktiver Schlafapnoe hatten ein signifikant erhöhtes Risiko, an Alzheimer zu erkranken – und erkrankten im Durchschnitt früher als Personen ohne OSA.

Frauen stärker betroffen als Männer
Neben den symptombezogenen Ursachen schauten sich die Forschenden aber auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie verschiedenen ethnischen Bevölkerungstruppen an. Dabei zeigte sich: Frauen mit OSA hatten insgesamt ein höheres Alzheimer-Risiko als Männer. Während bei Frauen insbesondere die Schlafunterbrechungen ins Gewicht fielen, war bei Männern vor allem Sauerstoffmangel entscheidend. Auch die Ethnie scheint einen Einfluss zu haben: Menschen mit afrikanischem und hispanischem Hintergrund hatten ein erhöhtes Risiko aufgrund von Sauerstoffmangel und verkürzte Schlafdauer.
Bei Schlafproblemen schnell zum Arzt
Die Schlafqualität scheint ein relevanter und potenziell modifizierbarer Risikofaktor für die kognitive Gesundheit im Alter zu sein. Daher sind eine frühzeitige Diagnose und die Behandlung von Schlafapnoe wichtig, um das Alzheimer-Risiko zu verringern. Erste Symptome für obstruktive Schlafapnoe umfassen unter anderem Tagesmüdigkeit, häufiges Erwachen oder Atemaussetze aber auch eine sehr kurze oder lange Schlafdauer können Warnzeichen sein. Zudem machen die Ergebnisse deutlich, dass nicht jeder Risikofaktor gleich wirkt: Es gibt eindeutige Unterschiede zwischen Männer und Frauen und diesen sollte mit individuell angepassten Behandlungsmaßnahmen begegnet werden.
Tipp für die Praxis: Bei ersten Anzeichen von Schlafapnoe einen Termin im Schlaflabor vereinbaren. Eine frühzeitige Behandlung von OSA kann das Risiko für die Entstehung einer Alzheimer-Demenz senken.
Hier geht’s zur Studie:
Racial, ethnic and sex-specific mechanisms of obstructive sleep apnea and Alzheimer’s disease risk

Vielen Dank für den Artikel zur Schlaf Apnoe. Ich selber leide daran, allerdings nicht an obstruktiver, sondern an zentraler Schlafapnoe.
Gibt es dazu auch Studien, bzw. Hilfen, außer dem Schlafen mit der Maske?
Vielen Dank für Ihre Bemühungen!
MfG
Christine Kreuzer
Hallo Frau Kreuzer,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider sind uns keine Studien bekannt, die sich speziell auf den Zusammenhang von zentraler Schlafapnoe (ZSA) und Alzheimer beziehen. Die Forschung zeigt jedoch, dass vor allem der wiederkehrende Sauerstoffmangel (Hypoxie) ein Belastungsfaktor für das Gehirn ist – dies sollte sich also bei OSA und ZSA nicht unterscheiden.
Zu den Hilfen außer der Maske: Da die ZSA oft eine Folgeerscheinung ist, steht die Behandlung der Grunderkrankung (z. B. Herzschwäche oder neurologische Ursachen) hier an erster Stelle. Als maskenfreie Alternative kommt in bestimmten Fällen ein Zwerchfell-Schrittmacher (Phrenikus-Stimulator) infrage. Technisch bietet die ASV-Therapie (ein adaptives Beatmungsverfahren) oft mehr Komfort als eine Standard-Maske.
Für die Prüfung dieser speziellen Verfahren ist ein Besuch in einem spezialisierten Schlaflabor ratsam.
Viele Grüße vom digiDEM Bayern-Team