Weltweit 75 Prozent aller Menschen mit Demenz leben mit der Erkrankung, ohne dass diese überhaupt diagnostiziert wurde. Ein Grund hierfür kann fehlendes Wissen um die Erkrankung und deren Symptome sein. Dies spiegelt sich ebenso in der Gesundheitskompetenz der deutschen Bevölkerung wider. Vor diesem Hintergrund hat digiDEM Bayern eine Studie zur Gesundheitskompetenz und den bevorzugten Informationsquellen von Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) und Menschen mit Demenz durchgeführt. Die Forschung beleuchtet, welche Quellen Betroffene bevorzugen und über welche Wege sie am besten erreicht werden können.

Analysiert wurden hierfür die Daten von insgesamt 924 Menschen mit MCI und Demenz, die zwischen August 2020 und Juli 2023 am Projekt teilgenommen hatten. Die acht unterschiedlichen untersuchten Informationsquellen (Internet, Fernsehen/Radio, Bücher/Broschüren, Kurse/Vorträge, Zeitung/Zeitschriften, Familie/Freunde, Apotheke und persönlicher Arztbesuch) wurden von den Teilnehmenden auf einer Skala von „unwichtig“ bis „sehr wichtig“ bewertet.

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Persönlicher Kontakt am wichtigsten

Die Ergebnisse der Studie betonen die entscheidende Bedeutung der persönlichen, zwischenmenschlichen Kommunikation als wichtigste Informationsquelle. Der Austausch mit Familie und Freunden sowie das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Therapeuten stehen für die Betroffenen an erster Stelle. So galt für etwa drei Viertel der Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen das Arztgespräch als mindestens „wichtig“. Ähnlich bedeutsam war die Kategorie Familie/Freunde: Knapp 40 Prozent der Studienteilnehmenden stuften Familienmitglieder und Freunde als „sehr wichtige“ Quelle ein, um sich über das Thema Gesundheit und Demenz zu informieren. Traditionelle Medien wie Fernsehen, Radio, Zeitungen und Zeitschriften sowie Bücher folgten in der Wichtigkeit auf den nächsten Plätzen.

Internet als Quelle irrelevant

Im Gegensatz dazu wurden das Internet sowie Kurse und Vorträge von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen am schlechtesten bewertet. Das Internet wird als wenig relevante und vertrauenswürdige Quelle eingeschätzt. Mehr als 60 Prozent der Studienteilnehmenden gab an, das Internet noch nie genutzt zu haben. Zukünftig ist jedoch davon auszugehen, dass das Internet aufgrund der fortschreitenden Verbesserung der digitalen Kompetenz älterer Erwachsener als Quelle für Gesundheitsinformationen an Bedeutung gewinnen wird.

Unterschiede nach Alter und Geschlecht

Die Studienergebnisse zeigten zudem deutliche Unterschiede je nach Alter und Geschlecht. Jüngere Betroffene bewerteten das Internet und Kurse/Vorträge etwas höher, während die Bedeutung dieser Quellen mit zunehmendem Alter sank. Die Relevanz von Familie und Freunden stieg hingegen im höheren Alter und mit dem Fortschreiten der Erkrankung deutlich an. Frauen bewerteten fast alle Informationsquellen – mit Ausnahme des Internets – höher als Männer. Die Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit, die Gesundheits- und „Demenzkompetenz“ gerade bei älteren Menschen durch qualitätsgesicherte und glaubwürdige Informationen zu stärken. 

Tipp für die Praxis: Wenn Sie einen An- oder Zugehörigen mit kognitiven Beeinträchtigungen pflegen, sollte Ihnen bewusst sein, dass Sie neben Ärzten die wichtigste Informationsquelle und Bezugsperson für ihren Betroffenen sind.

Hier geht’s zur Studie:

Using Health Information Resources for People With Cognitive Impairment (digiDEM Bayern): Registry-Based Cohort Study

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