In Deutschland steigt der Anteil älterer Menschen mit einem Führerschein. Mit zunehmendem Alter steigt jedoch auch das Risiko für Krankheiten und funktionale Einschränkungen, welche die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen können. Die steigende Anzahl an Demenzerkrankungen ist dabei eine besondere Herausforderung, denn schlechte kognitive Fähigkeiten wirken sich negativ auf die Fahrleistung mit dem Auto aus.
Aus diesem Grund hat das digiDEM Bayern-Team untersucht, welche Merkmale Einfluss auf die Entscheidung haben, weiterhin Auto zu fahren. Es zeigt sich, dass Frauen, städtisch wohnende Personen und Menschen mit einem Pflegegrad seltener Auto fahren. Im Gegensatz dazu steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person Auto fährt, wenn keine Demenz oder MCI-Diagnosestellung vorliegt, die kognitiven Fähigkeiten besser ausgeprägt sind und ein höheres Maß an alltagspraktischen Fähigkeiten (ADLs) vorhanden ist. Das Alter weist hingegen einen umgekehrt U-förmigen Verlauf auf. Die Wahrscheinlichkeit, Auto zu fahren, nimmt zunächst mit steigendem Alter zu, erreicht mit etwa 70 Jahren ihren Höchstwert und sinkt anschließend wieder ab.

Zwischen Autonomie und Verkehrssicherheit
Das übergeordnete Ziel besteht darin, Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen so lange wie möglich das Autofahren zu ermöglichen, ohne die Verkehrssicherheit zu gefährden. Hierzu sind eine regelmäßige Überprüfung der Fahrtauglichkeit und die Nutzung alternativer Mobilitätsangebote erforderlich. Wichtig ist die richtige Balance: So viel Autonomie wie möglich, so viel Sicherheit wie nötig. Über das Autofahren sollte deshalb bereits zu Beginn einer Demenzerkrankung offen gesprochen und über Mobilitätsalternativen nachgedacht werden. Dabei kommt dem sozialen und professionellen Umfeld – von der Hausärztin bzw. dem Hausarzt bis hin zu pflegenden An- und Zugehörigen – eine entscheidende Rolle zu.
Geschlechterunterschied beim Fahrverzicht
Ein differenzierter Blick auf verschiedene Zielgruppen zeigt, dass bei Frauen vor allem der Erhalt der Lebensqualität durch alternative Mobilitätsangebote im Vordergrund stehen sollte, da Frauen häufiger auf das Autofahren verzichten. Bei Männern hingegen, die seltener mit dem Autofahren aufhören, ist eine regelmäßige Überprüfung der Fahrtauglichkeit besonders wichtig. Im ländlichen Raum sollte aufgrund der lückenhaften Infrastruktur Alternativen wie private Mitfahrgelegenheiten oder mobile Dienstleistungen diskutiert werden.
Überprüfung der Fahrtauglichkeit
In Deutschland gibt es bislang keine Verpflichtung zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit. Durch eine regelmäßige Fahrbeurteilungen im Zuge von Führerscheinverlängerungen oder ab einem bestimmten Alter könnte die Fahrtauglichkeit bei Menschen mit Demenz sichergestellt werden. Bei diagnostizierter leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) oder beginnender Demenz sollte diese Prüfung laut der S3-Leitlinie Demenz mindestens jährlich erfolgen, während bei moderater oder schwerer Demenz von einer grundsätzlichen Fahruntauglichkeit ausgegangen wird.
Tipp für die Praxis: Sobald die Diagnose „Demenz“ gestellt wurde, sollten Mobilitätsalternativen wie die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, Bürgerbusse oder private Mitfahrgelegenheiten besprochen werden. So bleibt die selbstbestimmte Mobilität auch dann erhalten, wenn kognitive Beeinträchtigungen fortschreiten. Bei einer leichten Beeinträchtigung (MCI) oder beginnender Demenz empfiehlt sich eine jährliche Überprüfung der Fahrtauglichkeit, um den passenden Zeitpunkt für die Aufgabe des Autofahrens zu finden.
Hier geht’s zur Studie:
