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Falsche Erinnerungen können in verschiedenen Formen auftreten. Sie können sich zum Beispiel auf Ereignisse beziehen, die nie stattgefunden haben oder an die man sich nur verzerrt oder falsch erinnert. Welchen Einfluss haben diese falschen Erinnerungen auf das Leben von Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen oder Menschen mit Demenz im Vergleich zum Vergessen selbst? Das haben US-amerikanische Forscher*innen analysiert.

Stapel mit alten Postkarten und Fotos

Katherine W. Turk und Kolleg*innen untersuchten in Ihrer Arbeit folgende Fragen: Wie häufig treten falsche Erinnerungen bei Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) und Demenz im Vergleich zum Vergessen auf? Welchen Eindruck haben Familienangehörige und Ärzte diesbezüglich? Dafür befragten die Forscher*innen zum einen 150 Familienangehörige und zum anderen 226 Ärzte mit Hilfe eines für beide Gruppen neu entwickelten Fragebogens. Dieser sollte Aufschluss über das Vergessen und falsche Erinnerungen im Alltag geben. Jede „Vergessensfrage“ war dabei gepaart mit einer „Frage der falschen Erinnerung“. Eine “Vergessensfrage” lautete zum Beispiel: Wie oft vergisst Ihr Angehöriger, eine Rechnung zu bezahlen? Die dazu passende “Frage der falschen Erinnerung” war: Wie oft denkt Ihr Angehöriger, dass er eine Rechnung bezahlt hat, obwohl er es nicht getan hat?

Falsche Erinnerungen treten fast ebenso häufig auf wie das Vergessen

Die Ergebnisse zeigten, dass falsche Erinnerungen bei Menschen mit MCI und Demenz laut Ärzten und Familienmitgliedern fast ebenso häufig auftreten wie das Vergessen. Bei Menschen mit MCI kam es den Angehörigen zufolge seltener zu falschen Erinnerungen  als bei Menschen mit Demenz. Je schlechter die geistigen Fähigkeiten waren, desto stärker zeigten sich sowohl das Vergessen als auch falsche Erinnerungen. (Die geistigen Fähigkeiten wurden mit dem “Mini-Mental Status Test” beurteilt, einem der meistgenutzten Tests zur Früherkennung und zum Verlauf von Demenzerkrankungen.)

Die Autor*innen weisen darauf hin, dass es derzeit keine Richtlinien gibt, die Ärzten dabei helfen können, falsche Erinnerungen zu erkennen und dementsprechend zu handeln. Dies könne dazu führen, dass falsche Erinnerungen bei einer Beurteilung unterschätzt oder sogar ignoriert würden. Aus Sicht der Forscher*innen kann der neu entwickelte Fragebogen hier ein wertvolles Instrument sein und einen Ausgangspunkt für die Messung falscher Erinnerungen bei Menschen mit MCI und Demenz bieten.

Die vollständige Studie finden Sie hier:
False Memories: The Other Side of Forgetting (Feb 2020)

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