Sehr häufig werden Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen durch Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn betreut und gepflegt – meistens zu Hause und unbezahlt. Diese Betreuung durch nicht-professionelle Personen wird auch informelle Pflege genannt. Während die Kosten informeller Pflege für Demenz bereits gut erforscht sind, fehlen bislang belastbare Daten zu Menschen mit MCI. Aus diesem Grund hat digiDEM Bayern im Rahmen einer Studie untersucht wie viel Zeit pflegende An- und Zugehörige von Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) sowie leichter und moderater Demenz aufwenden und welche gesellschaftlichen Kosten dadurch entstehen.

Die Auswertung basiert auf 445 sogenannten Dyaden, also Paaren aus Betroffenen und ihren pflegenden An- und Zugehörigen, die zwischen 2020 und 2023 im Rahmen von digiDEM Bayern befragt wurden. Die Pflegezeit wurde anhand eines etablierten Instruments erhoben und monetär nach dem Opportunitätskostenansatz bewertet. Dabei wird angenommen, dass pflegende An- und Zugehörige Zeit verlieren, die sie sonst für ihre Erwerbstätigkeit oder Freizeit nutzen könnten.

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Bereits bei leichten Beeinträchtigungen erhöhter Unterstützungsbedarf

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Bereits bei MCI fällt ein hoher Pflegebedarf an. An- und Zugehörige von Menschen mit MCI leisten durchschnittlich rund 83 Stunden Unterstützung pro Monat, bei leichter Demenz steigt der Umfang auf 103 Stunden, bei moderater Demenz auf 131 Stunden. Die zeitliche Belastung betrifft die Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben, wie dem Gang zur Toilette, Essen oder Anziehen und die Unterstützung bei sogenannten instrumentellen alltäglichen Aktivitäten wie Einkaufen, Essenszubereitung oder Hausarbeit.

Unterschiede bei Kosten nach Schweregrad

Entsprechend steigen auch die geschätzten Kosten informeller Pflege mit dem Schweregrad der Beeinträchtigungen. Je nach gewähltem Kostenmodell liegen die jährlichen Kosten bei MCI zwischen 15.057 € und 30.994 €, bei leichter Demenz zwischen 19.785 € und 38.747 € und bei moderater Demenz zwischen 23.709 € und 48.451 €. Wenn man die reine Beaufsichtigungszeiten mit einbezieht, ergeben sich noch höhere Werte. Diese Ergebnisse zeigen, dass informelle Pflege nicht nur zeitlich, sondern auch ökonomisch eine erhebliche Belastung darstellt – für An- und Zugehörige ebenso wie für die Gesellschaft.

Erhebliche Belastung für Gesellschaft und Gesundheitssystem

Die Studie macht deutlich, dass der Unterstützungsbedarf bereits bei MCI relevant ist und politisch wie sozial stärker berücksichtigt werden sollte. Angesichts demografischer Entwicklungen, z.B. zunehmender Einzelhaushalte im Alter, droht der Anteil informeller Pflege künftig zu sinken, was erhebliche Folgekosten im Gesundheits- und Sozialsystem verursachen könnte. Hinzu kommt, dass ein erheblicher Anteil der informellen Pflege durch Erwerbstätige geleistet wird. Unter Berücksichtigung der erhobenen Daten leisten pflegende An- und Zugehörige knapp 67 Prozent einer Vollzeitbeschäftigung. Gleichzeitig belegt die Studie die hohe Bereitschaft pflegender An- und Zugehöriger, einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung zu leisten.

Tipp für die Praxis: Sollten Sie durch die informelle Pflege ihres An- oder Zugehörigen stark belastet sein, informieren Sie sich und nutzen Sie Unterstützungsangebote wie z.B. Tagespflegen, ambulante Pflegedienste oder Verhinderungspflege. Welche Bedarfe an Angeboten bei Ihnen bestehen könnten, können Sie mit dem digiDEM Bayern DEMAND prüfen: https://digidem-bayern.de/digitales-angebot-demand/. Nach Abschluss des Fragebogens bekommen Sie weitere Informationen zu allen Angeboten.

Hier geht’s zur Studie:

Kosten informeller Pflege bei Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen: eine Kostenstudie aus dem Digitalen Demenzregister Bayern (digiDEM Bayern)

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