Digitale Technologien spielen in der Versorgung von Menschen mit Alzheimer eine zunehmende Rolle. Telemedizinische Sprechstunden, Apps zur Alltagsstrukturierung oder digitale Trainingsangebote sollen pflegende An- und Zugehörige entlasten und Betroffenen mehr Selbstständigkeit ermöglichen. In der Praxis zeigen sich bei digitalen Angeboten jedoch individuelle Hürden, die ihre Nutzung im Alltag erschweren. Forschende aus Italien haben untersucht, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. In die Auswertung wurden 18 Studien einbezogen, die sich mit der Nutzung digitaler Technologien bei Menschen mit Alzheimer Demenz (AD) befassen.

Neugier kann dabei ein Vorhersagefaktor für erfolgreiches Altern sein.
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Digitale Angebote werden häufig mit der Erwartung eingeführt, pflegende An- und Zugehörige zu entlasten und Menschen mit AD im Alltag zu unterstützen. Ob sich diese Erwartungen erfüllen, hängt jedoch maßgeblich von den Voraussetzungen ab, unter denen die Angebote genutzt werden können. Entscheidend ist unter anderem, in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet, welche individuellen Vorerfahrungen vorhanden sind und wie gut Betroffene und An- und Zugehörige bei der Einführung und Nutzung unterstützt werden.

Krankheitsstadium und Nutzung im Alltag

Ein wiederkehrendes Muster ist der Zusammenhang zwischen Krankheitsstadium und Nutzbarkeit digitaler Angebote. In frühen Phasen können neue Anwendungen eher verstanden, eingeübt und als Routine verankert werden. Mit zunehmender kognitiver Beeinträchtigung nehmen Orientierungsschwierigkeiten zu, Bedienlogiken werden unklarer, neue Abläufe erzeugen schneller Überforderung. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Angebot dauerhaft genutzt wird, auch dann, wenn der grundsätzliche Nutzen vorhanden wäre.

Individuelle Voraussetzungen und Rolle der An- und Zugehörigen

Neben dem Krankheitsverlauf beeinflussen individuelle Voraussetzungen, wie digitale Angebote wahrgenommen und genutzt werden. Dazu zählen frühere Erfahrungen mit Technik, digitale Grundkenntnisse, Alter und Bildungsniveau.

Aber auch die An- und Zugehörigen spielen eine entscheidende Rolle. Sie richten Geräte ein, erklären Funktionen und greifen bei Problemen ein. Die Übersichtsarbeit weist darauf hin, dass dies auch zu einer Mehrbelastung für die An- und Zugehörigen werden kann. Wenn Anwendungen kompliziert sind oder häufige Eingriffe erfordern, entsteht zusätzlicher Aufwand in der häuslichen Versorgung, und digitale Unterstützung wird als weitere Aufgabe erlebt.

Gestaltung, Einweisung und Unterstützung

Ob digitale Angebote dauerhaft genutzt werden, hängt schließlich auch von ihrer Gestaltung ab. Bedienbarkeit, Zugänglichkeit und eine geringe kognitive Belastung wirken sich auf Akzeptanz und Nutzung aus. Als zusätzliche Einflussfaktoren nennt die Studie unter anderem das Lebensalter der Nutzerinnen und Nutzer, den Gerätetyp und die Benutzerfreundlichkeit der Lösung.

Besonders wichtig sind zudem die begleitende Einführung und technische Unterstützung. Fehlende Einweisung und mangelnder Support bei der Einrichtung gelten als zentrale Barrieren für eine stabile Nutzung. Gleichzeitig zeigt sie, dass Unterstützung durch Fachstellen, Beratungsangebote oder andere organisierte Anlaufstellen bei der Einrichtung und ersten Nutzung die Bereitschaft und Akzeptanz erhöhen kann. Digitale Angebote entfalten ihr Potenzial daher vor allem dann, wenn Einführung und Nutzung nicht punktuell erfolgen, sondern als strukturierter, an den Bedürfnissen von Betroffenen und An- und Zugehörigen ausgerichteter Prozess verstanden werden.

Tipp für die Praxis:

Für pflegende An- und Zugehörige kann es hilfreich sein, digitale Angebote frühzeitig und mit einem klaren Anwendungsanlass in den Alltag einzubinden. Eine kurze Einführung und feste Routinen können dazu beitragen, Überforderung zu vermeiden und die Nutzung zu erleichtern. Wichtig ist zudem, dass bei der Auswahl digitaler Angebote auf vorhandene Unterstützungs- und Beratungsangebote geachtet wird. Zur Einschätzung des individuellen Unterstützungsbedarfs bietet digiDEM Bayern mit DEMAND® einen digitalen Fragebogen an, der pflegenden An- und Zugehörigen hilft, Versorgungsbedarfe strukturiert zu erfassen.

Hier geht’s zur Studie:

Patient-Related Barriers to Digital Technology Adoption in Alzheimer Disease

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