Wie kann die medizinische und pflegerische Versorgung von Menschen mit Demenz besser an ihren Wünschen und Werten ausgerichtet werden? Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit des digiDEM Bayern Teams zeigt: Advance Care Planning (ACP) kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten, wenn es frühzeitig und strukturiert umgesetzt wird.

ACP bezeichnet einen kontinuierlichen Prozess strukturierter Gespräche, in denen Menschen ihre Vorstellungen, Werte und Behandlungspräferenzen für zukünftige medizinische Entscheidungen reflektieren und dokumentieren. Gerade bei Demenz ist dies von besonderer Bedeutung, da die Fähigkeit zur aktiven Mitwirkung im Krankheitsverlauf zunehmend eingeschränkt ist.

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Positive Auswirkungen von ACP

In der Übersichtsarbeit wurden sieben randomisiert-kontrollierte Studien aus den Jahren 2017 bis 2023 analysiert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ACP-Interventionen bei Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen positive Effekte auf mehreren Ebenen haben können. Dazu zählen:

  • eine verbesserte Kommunikation zwischen pflegenden An- und Zugehörigen und medizinischem Fachpersonal,
  • ein höheres Wissen sowie mehr Sicherheit bei medizinischen Entscheidungen,
  • eine häufigere Dokumentation von Behandlungszielen und Patientenverfügungen,
  • sowie eine Reduktion von Entscheidungskonflikten bei pflegenden An- und Zugehörigen.

Als besonders wirksam erwiesen sich Videos, Schulungsangebote und strukturierte Gespräche, die gezielt auf Menschen mit Demenz, ihre An und Zugehörigen oder das medizinische Fachpersonal zugeschnitten waren.

Weiterer Forschungsbedarf

Gleichzeitig macht die Übersichtsarbeit deutlich, dass die bisherige Evidenz noch begrenzt ist. Die eingeschlossenen Studien unterscheiden sich deutlich in Methodik, Qualität und verwendeten Endpunkten. Zudem wurde ACP häufig erst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien und überwiegend im institutionellen Setting (z. B. Pflegeheim) umgesetzt. Auffällig ist auch, dass sich die Forschung bislang vor allem auf Prozessparameter konzentriert, etwa Kommunikationsqualität oder Dokumentationshäufigkeit. Das zentrale Ziel von ACP, die Übereinstimmung zwischen den geäußerten Wünschen der Betroffenen und der tatsächlich umgesetzten Versorgung, wird bislang nur selten systematisch erfasst.

Frühzeitige Implementierung in den Versorgungspfad geboten

Die Ergebnisse unterstreichen, dass ACP für Menschen mit Demenz insbesondere dann sein Potenzial entfalten kann, wenn es frühzeitig und systematisch in den Versorgungspfad integriert wird. ACP sollte nicht als einmalige Maßnahme am Lebensende verstanden werden, sondern als dynamischer Prozess, der regelmäßig überprüft und angepasst wird.

Tipp für die Praxis: ACP sollte möglichst früh beginnen, idealerweise bereits in frühen Krankheitsstadien. Unterstützende Materialien und eine aktive Einbindung der Angehörigen können den Prozess erleichtern.

Hier geht’s zur Studie:

Evidenzlage zu Advance Care Planning bei Menschen mit Demenz – Ein systematisches Review (2017–2023)

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