Bei leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) zeigen Betroffene bereits messbare Einschränkungen des Gedächtnisses oder anderer kognitiver Fähigkeiten, sind im Alltag aber noch weitgehend selbstständig. Da Medikamente dabei bislang nur begrenzt wirksam sind, rücken nicht-medikamentöse Ansätze zunehmend in den Fokus der Forschung. Virtuelle Realität (VR) ist einer davon. Ein Forschungsteam der Hunan Normal University in China hat 11 randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 500 Teilnehmenden ausgewertet, um zu untersuchen, welchen Nutzen VR-Anwendungen für die kognitive Rehabilitation bei Menschen mit MCI haben.

Zwei Ansätze, ein Ziel

Die Forschenden unterschieden in ihrer Analyse zwei Formen von VR-Interventionen: strukturiertes kognitives Training in virtuellen Umgebungen einerseits und VR-basierte Spiele andererseits. Beim kognitiven Training absolvieren Betroffene gezielte Übungen, etwa virtuelles Einkaufen oder räumliche Aufgaben. VR-Spiele hingegen setzen auf Geschichten, Rätsel und Spielmechaniken, bei denen kognitive Anforderungen in den Spielablauf eingebettet sind. Beide Ansätze zeigten in der Auswertung statistisch signifikante Verbesserungen der kognitiven Leistungsfähigkeit. VR-Spiele zeigten dabei einen Trend zu einer stärkeren Wirkung als das strukturierte Training.

Je lebensechter, desto wirksamer

Ein besonders aufschlussreicher Befund betrifft das Ausmaß, in dem die virtuelle Umgebung durch optische, akustische und tastbare Reize ein echtes Gefühl des Eintauchens erzeugt. Die Forschenden unterschieden dabei drei Stufen: von einfachen Bildschirmanwendungen über VR-Headsets bis hin zu wirklichkeitsnahen Systemen, die Kopf und Handbewegungen erfassen und so ein natürliches Erleben in der virtuellen Welt ermöglichen. Das Ergebnis ist eindeutig: Je tiefer der Grad des Eintauchens in die Spielwelt, desto stärker die kognitive Verbesserung.

„Die Nutzung von Virtual Reality basierten Übungen und Spielen kann nicht nur Spaß machen, sondern auch dabei helfen, die kognitive Leistungsfähigkeit bei MCI zu verbessern.“

Lisa Laininger, digiDEM Bayern-Wissenschaftlerin

Warum Spiele eine bessere Wirkung haben könnten

Den leichten Vorteil der spielbasierten VR erklären die Autoren mit der höheren Motivation, die Spiele bei den Teilnehmenden erzeugen. Erzählerische Elemente, Belohnungen und eine angepasste Schwierigkeitsstufe können die regelmäßige Nutzung begünstigen, was für den langfristigen Therapieerfolg entscheidend ist. Strukturiertes Training hingegen setzt gezielter an einzelnen kognitiven Bereichen an, kann aber weniger motivierend erlebt werden.

Die Autoren weisen ausdrücklich auf Einschränkungen hin: Die einbezogenen Studien erfassten nur kurze Zeiträume von vier bis zwölf Wochen, sodass keine Aussagen über Langzeiteffekte möglich sind. Zudem stammen acht der elf Studien aus Südkorea, was die Übertragbarkeit auf andere Bevölkerungsgruppen begrenzt. Weitere Studien mit größeren Teilnehmerzahlen und längeren Beobachtungszeiträumen werden als notwendig beschrieben.

Tipp für die Praxis: VR-Anwendungen können sinnvoll in ein Therapiekonzept für Menschen mit MCI eingebunden werden, besonders wenn die Einführung begleitet und auf die individuellen Möglichkeiten abgestimmt wird. Dabei gilt: Je früher, desto besser. Wenn Sie sich fragen, ob bei einem nahestehenden Menschen kognitive Veränderungen vorliegen, bietet digiDEM Bayern mit dem digiDEM IQCODE einen kostenlosen und wissenschaftlich abgesicherten Online-Fragebogen an, mit dem An- und Zugehörige die Gedächtnisleistung einer nahestehenden Person einschätzen können – als erster wichtiger Schritt hin zu einer weiterführenden Diagnostik.

Hier gelangen Sie zur Zusammenfassung der Studie:

Effectiveness of VR-based cognitive training and games on cognitive rehabilitation in patients with MCI: a systematic review and meta-analysis

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