Digital Update: Harnwegsinfektionen bei Menschen mit Demenz – wie digitale Technik frühzeitig warnen kann

Digital Update: Harnwegsinfektionen bei Menschen mit Demenz – wie digitale Technik frühzeitig warnen kann

Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Komplikationen bei Menschen mit Demenz. Betroffene werden 3,4-mal häufiger deswegen stationär behandelt als kognitiv gesunde Menschen und erleiden dabei schwerere Verläufe, darunter ein erhöhtes Risiko für Verwirrtheitszustände und beschleunigten kognitiven Abbau. Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus den USA hat nun untersucht, welche digitalen Lösungen für Erkennung und Management von Harnwegsinfektionen bei Menschen mit Demenz bereits existieren und was sie leisten können.

Sensoren im Einsatz: drei digitale Systeme

Aus einer systematischen Suche über fünf Fachdatenbanken wurden sieben Studien aus dem Zeitraum 2020 bis 2024 einbezogen. Darin wurden drei unterschiedliche digitale Systeme erprobt: Das britische TIHM-System überwacht betroffene Personen rund um die Uhr in ihrer eigenen Wohnung über ein Netzwerk aus Bewegungsmeldern, Drucksensoren und Bluetooth-fähigen Messgeräten für Vitalzeichen. Maschinelle Lernverfahren analysieren die Daten kontinuierlich und schlagen bei Auffälligkeiten Alarm. Das US-amerikanische Armbandsystem (RTLS) verfolgt das Bewegungsverhalten in Pflegeeinrichtungen und soll so bevorstehende Harnwegsinfektionen, aber auch Stürze oder Verwirrtheitszustände frühzeitig erkennen. Das südkoreanische intelligente Windelsystem (SDS) misst Urinvolumen und -häufigkeit und benachrichtigt pflegende An- und Zugehörige über eine Smartphone-App sobald die Windel gewechselt werden sollte.

Hohe Erkennungsraten, aber Lücken in der Prävention

Das TIHM-System und das Armbandsystem erreichten in den ausgewerteten Studien eine Sensitivität von bis zu 91 Prozent bei der Vorhersage von Harnwegsinfektionen. Das bedeutet, dass die Systeme in 91% der Fälle eine Harnwegsinfektion erkannt haben, wenn auch tatsächlich eine Infektion vorlag. Das Windelsystem erzielte mit rund 33 Prozent eine deutlich niedrigere Erkennungsrate. Die Forschenden heben hervor, dass alle drei Systeme bislang fast ausschließlich auf Früherkennung ausgerichtet sind. Strategien zur aktiven Vorbeugung, etwa durch Trinkerinnerungen, Hygienehinweise oder die strukturierte Einbindung von An- und Zugehörigen in die Infektionsvermeidung, fehlen in den geprüften Ansätzen. Zudem weisen die Autorinnen und Autoren darauf hin, dass An- und Zugehörige entscheidend dafür sind, ob digitale Systeme dauerhaft genutzt werden, und dass ausreichende Einführung und Unterstützung dafür unerlässlich sind.

Tip for practice: Achten Sie bei Menschen mit Demenz auf frühe, oft untypische Anzeichen einer Harnwegsinfektion wie gesteigerte Unruhe, Verwirrtheit oder Verhaltensveränderungen, da klassische Symptome häufig fehlen.

Here is the link to the study: Digital health interventions for urinary tract infection prevention and management in people living with dementia and their family caregivers: a scoping review

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