Wie das Demenzrisiko im mittleren Lebensalter mit späteren Ängsten und Vermeidungsstrategien zusammenhängt

Wie das Demenzrisiko im mittleren Lebensalter mit späteren Ängsten und Vermeidungsstrategien zusammenhängt

Ein internationales Forschungsteam aus Großbritannien und Irland hat untersucht, ob sich ein objektiv gemessenes Demenzrisiko im mittleren Lebensalter Jahre später im eigenen Angstempfinden und Handeln rund um den Gedächtnisverlust bemerkbar macht.

197 kognitiv gesunde Personen zwischen 40 und 59 Jahren aus der britischen PREVENT-Studie nahmen teil. Das Team erfasste ihr persönliches Demenzrisiko mit zwei etablierten Verfahren: dem CAIDE-Score, der unter anderem Blutdruck, Cholesterinwerte, Bewegung und Bildung berücksichtigt, sowie dem LIBRA-Score, der zwölf beeinflussbare Risiko- und Schutzfaktoren zusammenfasst, etwa Ernährung, körperliche Aktivität, Rauchen und depressive Symptome.

Angst und Vermeidung rund vier Jahre später

Rund 4,2 Jahre nach der ersten Erhebung befragten die Forschenden dieselben Personen erneut, diesmal mit einer speziellen Skala, die Angst und Vermeidungsverhalten rund um Gedächtnisverlust erfasst. Das Ergebnis: Wer im mittleren Lebensalter ein höheres Demenzrisiko aufwies, berichtete Jahre später von mehr Angst und stärkerem Vermeidungsverhalten. Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang beim LIBRA-Score. Betrachtet man die einzelnen Faktoren innerhalb dieses Scores genauer, standen vor allem depressive Symptome und die Ernährungsweise in engem Zusammenhang mit späteren Ängsten.

Was das für Kommunikation und Prävention bedeutet

Die Studienautorinnen und -autoren betonen, dass emotionale und verhaltensbezogene Reaktionen auf das eigene Demenzrisiko offenbar bereits im mittleren Lebensalter entstehen, lange bevor erste Symptome auftreten könnten. Das ist auch für die Praxis relevant: Wenn Menschen aus Angst vor einer möglichen Diagnose Vorsorgeangebote eher meiden statt sie zu nutzen, könnte das ausgerechnet die Unterstützung verhindern, die ihr Risiko senken könnte. Eine einfühlsame Kommunikation über Demenzrisiken erscheint daher wichtig, ebenso wie Präventionsangebote, die solche Ängste ernst nehmen, statt sie zu verstärken.

Grenzen der Studie

Mit 197 Teilnehmenden ist die Studie vergleichsweise klein und die Ergebnisse lassen sich daher nur bedingt auf die breite Bevölkerung übertragen.  Zudem zeigt sie zwar, dass Risiko und Vermeidungsverhalten häufig zusammen auftreten, aber nicht, ob das eine wirklich die Ursache für das andere ist. Ob beispielsweise ein hohes Demenzrisiko tatsächlich Angst auslöst oder ob umgekehrt ängstlichere Menschen ihren Lebensstil anders gestalten, lässt sich mit diesen Daten nicht abschließend klären.

Tipp für die Praxis: Wer bei einer nahestehenden Person Veränderungen des Gedächtnisses bemerkt, muss mit dieser Unsicherheit nicht allein bleiben. Mit der Beurteilung der Gedächtnisleistung bietet digiDEM Bayern An- und Zugehörigen ein digitales Angebot, mit dem sie einschätzen können, ob sich das Gedächtnis eines nahestehenden Menschen tatsächlich verändert hat, statt der Unsicherheit aus dem Weg zu gehen.

Hier geht’s zur Studie: Midlife dementia risk and later dementia-related fear and avoidance: evidence from a prospective cohort study

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