Die Lebenserwartung steigt – und damit auch die Anzahl an Menschen, die altersbedingte Erkrankungen bekommen und pflegebedürftig werden. Gleichzeitig gibt es immer weniger Menschen, die diesen Pflegebedarf informell abdecken können: also weniger An- und Zugehörige, die sich um ihre Liebsten kümmern. Wie kann eine zukünftige Versorgung unter diesen Rahmenbedingungen aussehen?

Dieser Frage ist eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Bremen und des Universitätsklinikums Erlangen nachgegangen. In ihrer DemWG-Studie untersuchen sie, inwieweit eine gezielte Maßnahme in ambulant betreuten Wohngemeinschaften (abWGs) die Versorgung und Lebensqualität von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen verbessern und das Risiko für Krankenhauseinweisungen reduzieren kann.

Dies sei wichtig zu untersuchen, denn: „Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen […] werden neben der Pflege zu Hause (meist durch An- und Zugehörige) oder in Pflegeheimen neue Arten von Pflegeumgebungen benötigt“, so die Forschenden.

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Demenz-Wohngemeinschaften als neue Form des Zusammenlebens

Die Maßnahme in den abWGs bestand aus drei Teilen: dem Förderangebot MAKS-mk+ (motorisches und kognitives Training) für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, einem Schulungsangebot für die in ambulant betreuten Wohngemeinschaften aktiv mitarbeitenden Personen und der Stärkung der Einbindung der zuständigen Ärztinnen und Ärzte durch eine Online-Fortbildung. Untersucht wurde die Wirksamkeit in einer randomisiert kontrollierten Studie, in der eine Gruppe die Maßnahme erhielt und eine andere Gruppe zu Beginn als Kontrolle keine Maßnahme bekam aber dann nach einem Jahr ebenfalls alle drei Teile durchführen konnte.

Konkret ermittelt werden sollte, ob die Maßnahme zu einer Verringerung von Agitation (Unruhezuständen) und Aggression der betroffenen Personen führen kann. Davor wurde bereits festgestellt, dass die Anzahl der (vermeidbaren) Krankenhauseinweisungen signifikant reduziert werden konnte.

Positive Auswirkungen für die Betroffenen

341 Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen aus 97 Demenz-WGs haben an der Studie teilgenommen. 12 Monate nach Beginn der Maßnahme zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen: Agitation und Aggression waren bei den betroffenen Personen, die die Maßnahme bekommen hat, geringer ausgeprägt. Gemessen wurden die Unterschiede mit einem wissenschaftlich fundierten Kurzfragebögen.

„Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich die kombinierte Maßnahme positiv auf Unruhe und Aggressivität bei Menschen mit Demenz oder leichten kognitiven Beeinträchtigungen auswirkt“, so die Forschenden. Ihre Schlussfolgerung: „Da sich die Intervention in Demenz-WGs als gut durchführbar erwiesen hat, sollte ihre Umsetzung in der täglichen Pflege zur Anwendung kommen.“

Tipp für die Praxis: Ambulant betreute Wohngemeinschaften können eine sinnvolle Alternative zum Leben in der familiären Häuslichkeit darstellen und ein selbstbestimmtes Leben unterstützten. Informieren Sie sich daher zu den Möglichkeiten und Voraussetzungen dieser alternativen Wohnkonzepte.

Hier geht’s zur Studie:

Effects of a complex intervention on agitation and aggression in people living with dementia and mild cognitive impairment in shared-housing arrangements: results for a secondary outcome of the multicenter, cluster-randomized controlled DemWG study

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