Depression und kognitive Beeinträchtigungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen im höheren Lebensalter. Oft treten sie auch gemeinsam auf. Eine aktuelle Studie aus Südkorea hat systematisch untersucht, wie beide Erkrankungen miteinander verknüpft sind und welche Konsequenzen das für Diagnose und Behandlung hat. Das Forschungsteam wertete dafür Längsschnittstudien, Laborbefunde, Bilddaten und klinische Studien aus.

Eines der zentralen Ergebnisse: Depression im Alter ist ein unabhängiger Risikofaktor für die Entstehung einer Demenz. Eine Analyse von 23 Kohortenstudien zeigte, dass Betroffene mit Altersdepression ein um 85 % erhöhtes Risiko haben, an einer Demenz zu erkranken. Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang bei der vaskulären Demenz. Schweregrad und Dauer der Depression spielen dabei eine wichtige Rolle: Menschen mit wiederkehrenden oder schwierig zu behandelnden Depressionen scheinen ein besonders hohes Risiko zu tragen.

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Depression als früher Hinweis auf eine sich anbahnende Demenzerkrankung?

Das Review diskutiert zudem die Möglichkeit, dass eine spät im Leben erstmals auftretende Depression in manchen Fällen ein frühes Symptom einer beginnenden neurologischen Veränderung darstellen könnte. Hinweise darauf liefern Studien, die zeigen, dass Betroffene mit neu einsetzender Depression und gleichzeitigen Einschränkungen in Planungs- und Denkfähigkeiten häufiger und rascher eine Demenz entwickeln. Die Autoren betonen jedoch, dass die biologischen Belege hierfür noch begrenzt und nicht einheitlich sind.

Depression als Begleitsymptom bei bestehender Demenz

Ist eine Demenz bereits diagnostiziert, treten depressive Symptome häufig als Teil der begleitenden psychischen und verhaltensbezogenen Beschwerden auf. Schätzungen zufolge sind 30 bis 50 % der Menschen mit Alzheimer-Demenz davon betroffen; bei der Lewy-Körper-Demenz und der frontotemporalen Demenz ist der Anteil noch höher. Das Vorhandensein von Depression im Kontext einer Demenz beschleunigt den kognitiven und funktionellen Abbau und verschlechtert die Lebensqualität der Betroffenen wie auch die Situation der pflegenden An- und Zugehörigen.

Bei bestehender Demenz ist die Wirksamkeit von Antidepressiva auf depressive Symptome begrenzt. Nicht-medikamentöse Ansätze wie strukturierte Bewegungsprogramme, Schulungen für pflegende An- und Zugehörige sowie aktivierende Angebote zeigen hingegen moderate positive Effekte sowohl auf die Stimmung als auch auf neuropsychiatrische Symptome insgesamt.

Tipp für die Praxis: Wenn ältere Menschen erstmals depressive Symptome entwickeln, insbesondere gemeinsam mit Einschränkungen in Planungsfähigkeiten oder zunehmender Vergesslichkeit, sollte die kognitive Entwicklung aufmerksam beobachtet werden. Eine frühzeitige Einschätzung kann helfen, rechtzeitig Unterstützung zu organisieren. Der digitale Präventionscoach Demenz von digiDEM Bayern bietet eine niedrigschwellige Möglichkeit, individuelle Risikofaktoren zu erfassen und konkrete Präventionsempfehlungen zu erhalten.

Hier geht’s zur Studie:

Cognitive Impairment, Dementia and Depression in Older Adults

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