Personalisiertes, computergestütztes Gehirntraining kann eine wirksame Methode zur Verbesserung der geistigen Fähigkeiten bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung sein. Dies zeigte eine Studie unserer Kolleginnen und Kollegen des Universitätsklinikums Erlangen auf dem vergleichsweise jungen Forschungsfeld der MCI-Forschung. Die Studie wurde 2024 im renommierten Fachmagazin BMC Medicine veröffentlicht.
Nicht-pharmakologische Behandlungen rücken bei der Therapie von Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (Mild Cognitive Impairment, kurz MCI) immer stärker in den Vordergrund. Aus gutem Grund: Wie wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, gibt es derzeit keine wirksame ursächliche pharmakologische Intervention für MCI. Um das Fortschreiten von MCI und damit den Übergang von MCI hin zu einer Demenz zu verzögern, sind deshalb neue Forschungsansätze notwendig.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rund um Erstautor Prof. Dr. med. Elmar Gräßel entwickelten eigens zwei Arten von computergestütztem kognitivem Training (CCT). Das „individualisierte CCT“ (iCCT) nutzt Künstliche Intelligenz (KI), genauer gesagt Maschinelles Lernen. Mit Hilfe von KI ist es möglich, die Lernaufgaben auf die unterschiedlichen individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Teilnehmenden zuzuschneiden. Ausgewählt werden automatisch Übungen mit einem Schwierigkeitsgrad, der der Spitzenleistung der Person entspricht und somit ein individualisiertes Training ermöglicht.
Herausfordernd, aber nicht überfordernd

Das CCT-Konzept hat den Vorteil, dass das Training effektiver wird und sich die Motivation und Zufriedenheit der Nutzenden erhöht: Das Training wird persönlicher und herausfordernder, aber nicht überfordernd. Dass die Therapie von der Person, die sie erhält, auch praktiziert wird, bildet die Grundlage für den Erfolg einer jeden Therapie.
„Das iCCT stimuliert verschiedene kognitive Funktionen, insbesondere das Arbeitsgedächtnis, das visuell-konstruktive Denken und die Entscheidungsfindung“, heißt es in der Studie. Das „Basis-CCT“ (bCCT) ist hingegen eine einfachere Version ohne individuelle Anpassung, die in der aktiven Kontrollgruppe zur Anwendung kam.
Nachweisliche Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten
Beide Trainingssysteme führten dabei nachweislich zu einer klinisch bedeutsamen Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten. Allerdings war das individualisierte CCT fast doppelt so wirksam. Beurteilt wurden die kognitiven Fähigkeiten zu Studienbeginn und nach der Studienlaufzeit von sechs Monaten mit dem international anerkannten Montreal Cognitive Assessment-Test (MoCA), der die allgemeine geistige Leistungsfähigkeit misst.
Die Forschenden unterstreichen: „Aus diesem Grund sollte digitales kognitives Training zur Vorbeugung einer weiteren Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten bei MCI so früh wie möglich eingesetzt werden, und aufgrund seiner unkomplizierten Anwendung zu Hause sollte es so viele Menschen wie möglich erreichen.“
Lernen in vertrauter Umgebung
Die Teilnehmenden, die älter als 60 Jahre waren, konnten sich unabhängig von ihrer Mobilität oder ihrem Wohnort und in vertrauter, häuslicher Lernumgebung an der Studie beteiligen. Im Durchschnitt nutzten sie die Trainingsprogramme über den Zeitraum von sechs Monaten hinweg drei- bis viermal pro Woche. Die durchschnittliche Dauer betrug von 34 bis 38 Minuten pro Anwendung. „Zum größten Teil taten sie dies wie empfohlen – dreimal pro Woche für jeweils 30 Minuten“, schreiben die Forschenden.
Teilnehmende, die das individualisierte CCT nutzten, bewerteten ihr Programm als attraktiver und fühlten sich auch stärker stimuliert als die Teilnehmer, die das Basis-CCT nutzten.
Tipp für die Praxis: Führen Sie zuhause regelmäßig, das heißt mindestens drei Mal wöchentlich ein für Sie wirklich herausforderndes, geistiges Training durch. Es muss nicht digital sein, aber es sollte Sie an die Grenzen Ihrer Denkfähigkeit bringen.
Hier geht’s zur Studie: