Reisen und Tourismus gehören für viele Menschen zu den wichtigsten Quellen von Lebensfreude und Selbstständigkeit. Doch wie erleben Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen das Reisen – und wie gut sind Tourismusanbieter auf diese Gruppe vorbereitet? Ein Forschungsteam der Universitäten Liverpool, Bournemouth und Liverpool John Moores hat erstmals in einer strukturierten Übersichtsarbeit den vorhandenen Forschungsstand zu diesem Thema zusammengetragen. In die Auswertung flossen 13 Studien aus europäischen Ländern und der USA ein.

Trotz zahlreicher Schwierigkeiten äußerten Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen in nahezu allen ausgewerteten Studien den ausdrücklichen Wunsch, weiterhin zu reisen. Dabei wird Reisen nach einer Diagnose oft nicht aufgegeben, sondern angepasst: Viele verzichten auf Alleinreisen, reduzieren die Häufigkeit von Trips oder wählen Direktflüge, um Stress zu minimieren.

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Drei Ebenen von Barrieren

Die Studie gliedert die identifizierten Hindernisse in drei Bereiche. Auf persönlicher Ebene steht vor allem die Angst im Vordergrund, dass die Person mit Demenz sich verirren oder am Reiseziel verloren gehen könnte. Mehr als ein Drittel der Befragten in einer der Studien berichtete, am Flughafen tatsächlich von dem Menschen mit Demenz getrennt worden zu sein.

Auf zwischenmenschlicher Ebene wurden mangelndes Einfühlungsvermögen von Personal als belastend beschrieben, während geduldige Mitarbeitende als große Erleichterung erlebt wurden. Auf struktureller Ebene erwiesen sich unzureichende Beschilderung, fehlende Familientoiletten sowie laute und reizüberflutende Umgebungen als wiederkehrende Probleme.

Tourismus-Anbieter: Wille vorhanden, Mittel fehlen

Sieben der ausgewerteten Studien befassten sich mit der Perspektive von Tourismusunternehmen. Das Ergebnis ist zweigeteilt: Rund 70 % der befragten Tourismusmanager sahen die Vorteile einer demenzfreundlichen Ausgestaltung, doch in nahezu allen Studien fehlten die finanziellen Mittel für eine tatsächliche Umsetzung. Hinzu kamen Wissensdefizite über Demenz und eine hohe Personalfluktuation. Einige Betriebe äußerten sogar Bedenken, dass die Anwesenheit von Menschen mit Demenz andere Gäste stören könnte – ein Befund, der auf nach wie vor bestehende Stigmatisierung hindeutet.

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die Datenlage insgesamt noch dünn ist und weiterer Forschungsbedarf besteht. Dies gilt besonders für Flugreisen und internationale Reisen.

Tipp für die Praxis: Planen Sie Reisen oder Ausflüge frühzeitig und sorgfältig: Wählen Sie vertraute Ziele mit klarer Orientierung, informieren Sie Personal vorab über die Diagnose und achten Sie auf reizarme Umgebungen.

Hier geht’s zur Studie:

Dementia, Travel, and Tourism: A Scoping Review

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