Häufig ist die Rede von Demenz. Doch auch eine andere Erkrankung sollte stärker in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses rücken: MCI. Die Abkürzung steht für Mild Cognitive Impairment, also leichte kognitive Beeinträchtigung. Wir stellen vier wissenschaftliche Publikationen vor, die sich mit Diagnose und dem Fortschreiten hin zu einer Demenz befassen.
Bei MCI handelt es sich um eine leichte kognitive Beeinträchtigung, die über den normalen geistigen Abbau im Alter hinausgeht, jedoch noch nicht die diagnostischen Kriterien einer Demenz erfüllt. Die Diagnose von MCI basiert dabei auf einem subjektiv wahrgenommenen kognitiven Abbau, der objektiv durch neuropsychologische Tests nachgewiesen werden kann. Trotz der kognitiven Beeinträchtigungen sind die Fähigkeiten zur Durchführung der Aktivitäten des täglichen Lebens wie etwa Einkaufen, Haushaltsführung, Umgang mit Geld, Benutzen des Telefons oder anderer Kommunikationsmittel und Autofahren weitestgehend erhalten.
Standardisierte neuropsychologische Testverfahren

Diagnostiziert wird MCI durch ein umfassendes Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin, bei der sowohl der Betroffene selbst als auch eine nahestehende Person befragt werden. Ergänzend dazu werden standardisierte neuropsychologische Testverfahren eingesetzt, um die kognitive Leistungsfähigkeit zu überprüfen. Welche Unterformen es von MCI gibt, haben australische Forscher in einem wissenschaftlichen Artikel zusammengestellt. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen der sogenannten amnestischen MCI und der nicht-amnestischen Form. Bei der amnestischen Form stehen Gedächtnisbeeinträchtigungen im Vordergrund, während bei der nicht-amnestischen Form andere kognitive Bereiche wie zum Beispiel die Aufmerksamkeit und die Sprache betroffen sind.
Wichtige Unterscheidung
Eine Studie aus Irland unterstreicht dabei die Bedeutung und den Nutzen der Unterscheidung zwischen den beiden MCI-Unterformen. Die Studie untersuchte bei Menschen mit MCI deren Fortschreiten hin zu einer Demenz. An der Studie nahmen 1188 Menschen mit MCI teil, die in einer Gedächtnisambulanz diagnostiziert wurde. Bei 378 Personen (32 Prozent) waren leichte geistige Beeinträchtigungen innerhalb von zwei Jahren in eine Demenz übergegangen.
Bei 55 Prozent der Studienteilnehmenden lag eine amnestische MCI vor, bei 45 Prozent wurde MCI als nicht-amnestisch diagnostiziert. Amnestische MCI war ein wesentlicher Vorhersagefaktor für das Fortschreiten hin zu einer Demenz im Vergleich zur nicht-amnestischen MCI. „Personen mit amnestischer MCI haben eine fast doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, eine Demenz zu entwickeln, als Personen mit nicht-amnestischem MCI“, heißt es in der Studie.
Rückkehr zur normalen geistigen Leistungsfähigkeit möglich?
Dennoch weiß die Wissenschaft: Nicht alle MCI-Patienten entwickeln auch eine Demenz. Manche Betroffenen bleiben, zumindest zeitweise stabil, andere erholen sich sogar und kehren in den Zustand einer normalen geistigen Leistungsfähigkeit zurück. Forschende aus Kanada wollten herausfinden, ob bestimmte verhaltensbezogene und psychologische Symptome bei Demenz, die im höheren Alter neu auftreten und dauerhaft bleiben, ebenfalls helfen können, genauer vorherzusagen, wer an Demenz erkrankt oder sich wieder erholt.
Neuropsychiatrische Symptome als Warnsignal
Eine kanadische Studie zeigte, dass spät einsetzende und anhaltende neuropsychiatrische Symptome (Mild Behavioral Impairment, kurz MBI) ein Warnsignal sein können. Das Vorliegen dieser Symptome verbessert dabei die Vorhersage, ob jemand mit leichter kognitiver Beeinträchtigung an Demenz erkrankt.
Die Forschenden beobachteten 739 Studienteilnehmende mit einem Durchschnittsalter von circa 75 Jahren über drei Jahre. Das Ergebnis: Nach drei Jahren entwickelte sich bei 33,6 Prozent der Teilnehmenden eine Demenz, während 12,2 Prozent zu normaler Kognition zurückkehrten.
Höheres Demenzrisiko
Im Vergleich zu Teilnehmenden ohne neuropsychiatrische Symptome hatten hingegen Menschen mit spät einsetzenden und anhaltenden neuropsychiatrischen Symptomen (MBI) ein um 113 Prozent höheres Risiko, eine Demenz zu entwickeln. Bei diesen Personen war zudem die Wahrscheinlichkeit geringer, wieder ihre „alte geistige Leistungsfähigkeit“ zu erreichen.
Um die Prognose zu verbessern, so die Forschenden, sollten bei der Beurteilung von MCI-Patienten nicht nur die kognitiven Fähigkeiten, sondern auch das Auftreten und die Dauer von neuropsychiatrischen Symptomen berücksichtigt werden.
Wie wahrscheinlich ist der Übergang hin zu einer Demenz?
Forschende aus den USA untersuchten hingegen in ihrer Studie die Übergangsraten von kognitiven gesunden Menschen zu einer leichten kognitiven Beeinträchtigung und im Verlauf zu einer Demenz. Um herauszufinden, wie wahrscheinlich dieses Fortschreiten zu den jeweiligen Krankheitsstadien ist, schätzten die Forschenden die jährlichen Übergangsraten bei mehr als 18.000 Studienteilnehmenden ab einem Alter von 65 Jahren ein.
Die jährliche Übergangswahrscheinlichkeit bei gesunden Personen (mit einer im Normalbereich liegender Kognition) hin zu MCI betrug bei 65-Jährigen acht Prozent. Lag eine MCI bereits vor, stieg die jährliche Übergangswahrscheinlichkeit, an einer Demenz zu erkranken, auf 22 Prozent. Insgesamt nahm die Übergangswahrscheinlichkeit mit dem Alter zu.
Diese Schätzungen der Übergangswahrscheinlichkeiten seien, so die Forschenden, wichtig, um den Verlauf der Erkrankung zu verstehen.
Tip for practice: Präventive Maßnahmen zur Verringerung der Erkrankungswahrscheinlichkeit und eine frühzeitige Behandlung nach Symptombeginn können helfen, den Ausbruch und das Fortschreiten einer Demenz zu verlangsamen. Dadurch können die Menschen mehr Zeit bei besserer Gesundheit verbringen und ihre geistigen Fähigkeiten länger erhalten.
Here are the studies:
Mild Cognitive Impairment: Diagnosis and Subtypes
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