Schlaganfall, Bluthochdruck, Diabetes: Durchblutungsstörungen im Gehirn sind die Grundlage der vaskulären Demenz, der zweithäufigsten Demenzform weltweit. Eine aktuelle Übersichtsarbeit der Weltorganisation für die Erkrankung Schlaganfall (World Stroke Organization) verdeutlicht nun die globale Bedeutung dieser Erkrankung und zeigt, dass vaskuläre Veränderungen bei fast jedem dritten Demenzfall eine entscheidende Rolle spielen.

Während die Zahl der Menschen mit Demenz bis 2050 auf über 137 Millionen ansteigen soll, rückt die vaskuläre Demenz zunehmend in den Fokus der Forschung. Bevölkerungsbasierte Studien mit Autopsie-Bestätigung zeigen, dass die reine Form der vaskulären Demenz etwa 15 % aller Fälle ausmacht. Rechnet man Mischformen hinzu, bei denen sowohl vaskuläre als auch neurodegenerative Veränderungen wie bei Alzheimer-Demenz vorliegen, ist sogar fast jede dritte Diagnose betroffen. Weltweit leiden derzeit schätzungsweise 8,5 Millionen Menschen an einer reinen vaskulären Demenz und weitere 9,1 Millionen an einer Mischdemenz.

Foto: Shutterstock

Der Schlaganfall als zentraler Risikofaktor

Ein besonderes Augenmerk legt die Studie auf die Zeit nach einem Schlaganfall. Die sogenannte Post-Schlaganfall-Demenz ist ein häufiger Subtyp der vaskulären Demenz, und die Zahlen sprechen für sich: Rund 10-20 % der Betroffenen entwickeln bereits im ersten Jahr nach einem Schlaganfall eine Demenz, bei weiteren 19 % zeigt sich ein verzögerter Beginn der Erkrankung. Da die Zahl der Schlaganfälle durch die alternde Bevölkerung weltweit zunimmt, ist bis 2050 ein Anstieg vaskulär bedingter Demenzfälle auf etwa 42,7 Millionen zu erwarten.

Gefäße und Nervenzellen beeinflussen sich gegenseitig

Die Forschung macht deutlich, dass vaskuläre Erkrankungen und Alzheimer-Demenz keine isolierten Prozesse sind. Oft existieren beide Krankheitsbilder nebeneinander und verstärken sich gegenseitig, sodass vaskuläre Schäden dazu beitragen können, dass kognitive Symptome früher oder ausgeprägter auftreten. Trotz dieser Relevanz bleibt die vaskuläre Demenz im Vergleich zu anderen Formen nach wie vor unterdiagnostiziert und weniger erforscht. Die Autorinnen und Autoren fordern daher weltweit standardisierte Diagnoseverfahren sowie eine stärkere Gewichtung von Präventionsstrategien, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Tipp für die Praxis: Gefäßbezogene Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht lassen sich durch einen gesunden Lebensstil positiv beeinflussen und damit auch das Demenzrisiko senken. Der Präventionscoach Demenz von digiDEM Bayern unterstützt dabei, das eigene Risiko einzuschätzen und konkrete Maßnahmen zur Prävention in den Alltag zu integrieren.

Hier geht’s zur Studie:

Vascular dementia: World Stroke Organization fact sheet 2026

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *