In der modernen Demenzversorgung ist die personalisierte Pflege ein entscheidender Faktor für Lebensqualität. Dabei steht eine Frage im Vordergrund: Wie können Fachkräfte die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen erkennen und erfüllen, wenn die verbale Verständigung schwieriger wird? Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit aus London liefert hierauf Antworten.

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Das Forschungsteam analysierte 33 Studien weltweit und identifizierte dabei drei Kernelemente, die für eine gelingende Kommunikation in der personalisierten Demenzpflege unverzichtbar sind.

Die Person und ihre Geschichte verstehen

Das ERSTE Kernelement ist ein umfassendes Wissen über die betroffene Person, ihre Biografie und ihr soziales Umfeld. Die Studie macht deutlich, dass eine vertrauensvolle Beziehung die Basis für jede weitere Interaktion ist. Fachkräfte, die über die Vorlieben, Abneigungen und Lebenswerte der Betroffenen informiert sind, können die Pflege deutlich individueller gestalten. Die Einbeziehung der An- und Zugehörigen spielt hierbei eine zentrale Rolle, um ein ganzheitliches Bild der Person zu erhalten. Nur durch dieses Wissen ist es möglich, auch sensible Themen wie die Versorgung am Lebensende respektvoll und im Sinne der Betroffenen zu besprechen.

Gezielte Techniken und Hilfsmittel einsetzen

Das ZWEITE Kernelement umfasst konkrete verbale und nonverbale Strategien sowie den Einsatz externer Hilfsmittel. Auf sprachlicher Ebene helfen einfache Anpassungen wie das Verwenden des Namens zur Aufmerksamkeitsgewinnung, das Umformulieren von Sätzen oder das Geben klarer Antwortmöglichkeiten. Auf infantilisierende Sprache sollte verzichtet werden. Nonverbale Signale wie ein ruhiger Tonfall und sanfte Berührungen können den Betroffenen zusätzlich emotionale Sicherheit vermitteln. Zudem zeigt die Studie den hohen Nutzen von visuellen Stützen: Erinnerungsbücher, Fotos oder Steckbriefe helfen Menschen mit Demenz, ihre Wünsche besser auszudrücken und sich im Gespräch zu orientieren.

Unterstützung für Fachkräfte und Umfeld schaffen

Als DRITTES Kernelement benennt die Studie die notwendigen Rahmenbedingungen für das Personal. Erfolgreiche Kommunikation ist kein Zufallsprodukt, sondern erfordert Schulungen und kontinuierliche Unterstützung für die Beschäftigten, um evidenzbasierte Strategien sicher anwenden zu können. Ebenso wichtig ist die Gestaltung der physischen Umgebung. Wenige Hintergrundgeräusche und eine reizarme Atmosphäre bilden die notwendige Voraussetzung, damit Gespräche überhaupt gelingen können.

Tipp für die Praxis: Integrieren Sie biografische Informationen aktiv in den Pflegealltag. Nutzen Sie beispielsweise kleine „Erinnerungsboxen“ oder Fotobücher als Gesprächsanlass. Diese Hilfsmittel unterstützen nicht nur das Gedächtnis der Betroffenen, sondern helfen Ihnen auch dabei, schneller eine Vertrauensbasis aufzubauen. Achten Sie zudem darauf, Störgeräusche wie laufende Fernseher oder Radios während eines Gesprächs auszuschalten.

Hier geht’s zur Studie:

Communication strategies for delivering personalised dementia care and support: a mixed-methods systematic review and narrative synthesis

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