Bewegung, Schulungen oder Technik: Was den Schlaf pflegender An- und Zugehöriger wirklich verbessert

Bewegung, Schulungen oder Technik: Was den Schlaf pflegender An- und Zugehöriger wirklich verbessert

Ein Spaziergang, ein Achtsamkeitskurs oder doch lieber ein smartes Überwachungssystem fürs Schlafzimmer? Wer nachts als pflegende An- und Zugehörige Person von Menschen mit Demenz keinen Schlaf findet, kann inzwischen auf ein ganzes Sortiment an Angeboten zurückgreifen, die Abhilfe bieten sollen. Zwei aktuelle Übersichtsarbeiten haben nun geprüft, welche davon tatsächlich halten, was sie versprechen: Ein Forschungsteam aus New York wertete 21 Studien mit insgesamt 1.964 Pflegenden statistisch aus, ein australisches Forschungsteam beschrieb 18 Studien mit 1.747 Pflegenden im direkten Vergleich.

Die Zahlen aus New York: ein kleiner, aber wackliger Effekt

Die Wissenschaftler aus New York rechneten alle vergleichbaren Studien zusammen und fanden zunächst eine leichte Verbesserung der Schlafqualität durch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Verhaltens- oder Schulungsprogramme, verglichen mit einer Kontrollgruppe ohne derartiges Programm. Nahm man testweise jeweils eine von drei zentralen Studien aus der Berechnung heraus, verschwand der Effekt jedoch schon wieder. Bei Messungen mit Bewegungssensoren am Handgelenk sowie bei der Schwere von Schlafstörungen fand sich zudem kein gesicherter Vorteil gegenüber der jeweiligen Kontrollgruppe. Die Verlässlichkeit dieser Ergebnisse stuften die Forschenden selbst als sehr niedrig ein.

Der Vergleich aus Australien: Bewegung und große Schulungsprogramme am vielversprechendsten

Die Forschungsgruppe aus Australien verglich die 18 Studien je nach Art der Maßnahme, statt sie zusammenzunehmen. Nur bei gut jeder dritten Studie zeigte sich überhaupt eine gesicherte Verbesserung. Am deutlichsten fiel das Ergebnis bei Bewegungsprogrammen aus: Beide vorliegende Studien zu moderatem Sport, etwa zügigem Gehen, fanden eine Verbesserung, wenn auch bei kleinen Stichproben. Auch ein umfangreiches, achtmonatiges Schulungsprogramm für 377 Paare bestehend aus pflegenden An- und Zugehörigen und Menschen mit Demenz zeigte einen deutlichen Effekt: Die Schlafqualität der Pflegenden verbesserte sich im Schnitt von einem klinisch auffälligen in einen unauffälligen Bereich. Auch gezielte Stressreduktion und ein Telefon-Coaching zeigten in jeweils einer Studie deutliche Verbesserungen, während Achtsamkeitstraining und ein größeres, thematisch ungebundenes Unterstützungsprogramm keinen Effekt auf den Schlaf hatten.

Technik und alternative Verfahren bisher ohne klaren Nutzen

Vier Studien zu technischen Hilfsmitteln wie nächtlichen Überwachungssystemen oder Videoberatung fanden keinen gesicherten Effekt auf den Schlaf der Pflegenden. Auch zu einer Berührungstherapie und einer elektrischen Reizstromtherapie über Ohrklammern gab es keinen Nachweis eines Nutzens.

Was offen bleibt

Bei den meisten eingeschlossenen Studien gab es in beiden Arbeiten methodische Schwachpunkte, die die Ergebnisse weniger verlässlich machen: Viele hatten nur wenige Teilnehmende, und die Teilnehmenden wussten oft selbst, ob sie zur Gruppe mit oder ohne Maßnahme gehörten, was ihre Einschätzung des eigenen Schlafs beeinflusst haben könnte. Keine der Studien maß den Schlaf mit dem eigentlichen Goldstandard, der Polysomnographie im Schlaflabor (einer nächtlichen Messung mehrerer Körperfunktionen wie Hirnströme, Atmung und Augenbewegungen, mit der sich Schlafphasen besonders genau bestimmen lassen). Beide Forschungsteams betonen, dass größere und methodisch strengere Studien nötig sind, bevor sich einzelne Maßnahmen mit Nachdruck empfehlen lassen.

Tipp für die Praxis: Bewegung im Alltag und Strategien zur Reduktion der eigenen Belastung können einen Versuch wert sein. Mit dem Fragebogen DEMAND® von digiDEM Bayern können pflegende An- und Zugehörige ihren eigenen Unterstützungsbedarf einschätzen und erhalten eine Übersicht, welche der verschiedenen Angebote, etwa Pflegekurse oder psychoedukative Gruppen, für die eigene Situation infrage kommen.

Here are the studies:

Sleep Interventions for Informal Caregivers of People with Mild Cognitive Impairment or Dementia

Non-Pharmacological Sleep Interventions for Dementia Caregivers

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