An- und Zugehörige bilden die zentrale Säule der Pflege von Menschen mit Demenz. Deshalb hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) pflegenden An- und Zugehörigen einen eigenen Schwerpunkt in der globalen Demenzstrategie gewidmet. Um pflegenden An- und Zugehörige nicht nur Anerkennung, sondern auch Unterstützung zukommen zu lassen, hat die WHO zudem das Online-Programm „iSupport“ entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Schulungs- und Selbsthilfeprogramm zur Verringerung der psychische und körperliche Gesundheitsprobleme und zur Verbesserung der Lebensqualität. Forschende aus Australien haben nun die Wirksamkeit von „iSupport Lite“, einer komprimierten und zeitsparenden Version des ursprünglichen Programms untersucht.
Digitale Entlastung für pflegende An- und Zugehörige
„iSupport Lite“ umfasst sechs Kernbotschaften zu den Themen: Unterstützung suchen, auf sich selbst achten, die Kontinuität der Pflege sicherstellen, auf Veränderungen reagieren, flexibel sein und effektiv kommunizieren. Die Botschaften wurden in Animationen und Informationsblätter umgesetzt, die über eine eigens dafür eingerichtete Website abgerufen werden konnten und in zehn Sprachen übersetzt.
Der Standort Australien war hier besonders interessant, als wohlhabendes Land, bei dem „ethnisch vielfältige Familien mit ungleichen Zugangsmöglichkeiten zu Dienstleistungen konfrontiert sind, darunter eine begrenzte Verfügbarkeit, Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Angeboten, kulturell unangemessene oder unsensible Dienstleistungen, hohe Kosten und lange Wartezeiten“, so die Autoren.
Studie mit mehrsprachigen An- und Zugehörigen
113 pflegende An- und Zugehörige aus Australien nahmen an der Studie teil und wurden zu drei Zeitpunkten befragt (Beginn der Studie, nach 6 Wochen und nach 12 Wochen). Untersucht wurde, ob das Programm zu einer Verringerung der Pflegebelastung führen kann. Zudem wollten die Forschenden Wissen, ob sich zusätzlich Stimmung und Lebensqualität sowie Produktivität und Aktivität der Teilnehmenden verbessern. Die Besonderheit: das Programm wurde bei pflegenden An- und Zugehörigen getestet, die mehrere Sprachen gesprochen haben.
Untersucht wurde das Programm im Rahmen einer randomisiert, kontrollierten Studie – dem Goldstandard, wenn es darum geht, herauszufinden, wie gut eine Behandlung oder ein Programm wirkt. Dabei werden zwei Gruppen verglichen: eine erhält das Programm, die andere erhielt als Kontrollgruppe keine Maßnahme.
Zentrale Ziele wurden verfehlt
DNach Abschluss der Untersuchung konnten keine Effekte auf die Pflegebelastung oder die Stimmung der An- und Zugehörigen festgestellt werden. „Die Übereinstimmung unserer Ergebnisse mit denen ähnlicher Studien, die in verschiedenen Kontexten und mit unterschiedlichen Anpassungen durchgeführt wurden, lässt darauf schließen, dass iSupport […] nicht dazu geeignet ist, die Belastung der pflegenden An- und Zugehörigen zu verringern und deren psychische und physische Gesundheit zu verbessern“, so die Wissenschaftler.
Allerdings hat sich die Lebensqualität der Nutzerinnen und Nutzer des Online-Angebots im Vergleich zur Kontrollgruppe verbessert. Die Forschenden empfehlen daher eine Überarbeitung des Programms. Möglicherweise, so die Autoren, funktioniere iSupport Lite aber auch weniger als eigenständige Maßnahme und eher als Teil eines Multikomponenten-Angebots.
Tipp für die Praxis: Unterstützungsangebote sind wichtig, um im Pflegealltag für Entlastung zu sorgen – ob digital oder analog. Mit dem Online-Angebot digiDEM Bayern DEMAND® können Sie sich näher mit der Frage nach den passenden Angeboten für Ihre Situation auseinandersetzen.
Hier geht’s zur Studie: Evaluating the effects of the World Health Organisation’s online intervention ‘iSupport lite’ to reduce burden in multilingual dementia carers: results from the Australian Draw-Care randomised clinical trial
