Gesunder Darm, gesundes Gehirn? Was Ernährung und die Darmflora mit dem Demenzrisiko zu tun haben

Gesunder Darm, gesundes Gehirn? Was Ernährung und die Darmflora mit dem Demenzrisiko zu tun haben

Dass Ernährung und Verdauung mit unserer Gesundheit zusammenhängen, ist vielen bekannt. Eine neue Übersichtsarbeit aus Italien zeigt nun, dass die Darmflora möglicherweise auch bei der Entstehung von Demenzerkrankungen eine Rolle spielt. Ein Forschungsteam wertete dafür 35 Studien aus den Jahren 2014 bis 2025 aus.

Im Darm leben Billionen von Bakterien, die sogenannte Darmflora. Sie steht über Nervenbahnen, das Immunsystem und Botenstoffe in ständigem Austausch mit dem Gehirn, weshalb Fachleute neuerdings von der „Darm-Hirn-Achse“ sprechen. Gerät die Zusammensetzung dieser Bakterien aus dem Gleichgewicht, kann das offenbar auch Entzündungsprozesse im Gehirn begünstigen. Genau ein solches Ungleichgewicht fanden die Forschenden in mehreren der ausgewerteten Studien bei Menschen mit Alzheimer und leichten kognitiven Beeinträchtigungen.

Veränderte Bakterien bei Menschen mit Demenz

Mehrere Studien zeigten: Bei Betroffenen war die Menge bestimmter „guter“ Bakterien verringert, die wichtige Nährstoffe für die Darmschleimhaut und das Immunsystem herstellen. Gleichzeitig waren Bakterienarten erhöht, die mit Entzündungen im Körper in Verbindung stehen. Diese Verschiebung ging in mehreren Studien mit schlechteren Ergebnissen bei Gedächtnistests einher. Wichtig ist dabei: Die Studien zeigen einen Zusammenhang, aber nicht, ob die veränderte Darmflora tatsächlich Ursache oder eher Folge der Erkrankung ist.

Ernährung und Probiotika: Erste, aber noch unsichere Ansätze

Einige der ausgewerteten Studien untersuchten, ob sich die Darmflora gezielt beeinflussen lässt, etwa durch besondere Bakterienkulturen (Probiotika) oder eine hochwertige Ernährung. Eine Studie stellte fest, dass Menschen mit besonders hochwertiger Ernährung ein günstigeres Bakterienprofil im Darm aufwiesen und seltener von einer leichten kognitiven Beeinträchtigung betroffen waren. Bei den Probiotika fielen die Ergebnisse dagegen uneinheitlich aus: In einer Untersuchung verbesserten sich sowohl Entzündungswerte als auch Gedächtnistests bei Alzheimer-Patientinnen und -Patienten, die Probiotika erhielten. Eine andere Studie zeigte hingegen positive Veränderungen bei bestimmten Blutwerten, jedoch keine messbare Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit. Die Studienautorinnen und -autoren betonen daher ausdrücklich, dass die Ergebnisse insgesamt mit Vorsicht zu interpretieren sind: Die meisten Studien sind klein und nur beobachtend angelegt und liefern keine Langzeitdaten, sodass sich daraus derzeit keine gesicherten Handlungsempfehlungen ableiten lassen.

Tipp für die Praxis: Auch wenn die Rolle der Darmflora noch nicht abschließend geklärt ist, bleibt eine ausgewogene Ernährung ein wichtiger Baustein zur Vorbeugung. Mit dem Präventionscoach Demenz bietet digiDEM Bayern allen, die ihr persönliches Demenzrisiko senken möchten, ein digitales Angebot, das über beeinflussbare Risikofaktoren informiert und individuelle Impulse für einen gesünderen Alltag gibt.

Hier geht’s zur Studie: Gut microbiota and cognitive decline: a scoping review of microbial mechanisms and adaptive responses in dementia

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